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Juanjo Mena Berliner Philharmoniker Alberto Ginastera Claude Debussy Manuel de Falla

Juanjo Mena bei den Berliner Philharmonikern / Foto: juanjomena.com

Das Programm bietet entspannte, iberische Werk-Perspektivik.

Bizets Carmen-Ouvertüre ist Spanisch für Anfänger. Claude Debussys Ibéria ist Spanisch für Fortgeschrittene. Es dirigiert Juanjo Mena, der bislang für Berliner, die nicht Abonnenten des BBC Philharmonic sind, ein unbeschriebenes Blatt war. Der Mann ist Baske (sagt Google) und sieht von hinten aus wie Michel Platini vor zehn Jahren: kompakter, aber irgendwie weicher Körper, eine beginnende Lichtung im Kraushaar. Mena ist der Typ sensibel durchströmter Vollblutmusiker. Er krault dem Orchester gefühlvoll den Nacken. Die Musiker strecken gelöst alle Viere von sich – bildlich gesprochen –  und antworten mit feinen, biegsamen Streichern und wollüstig atmenden Bläsern.

Juanjo Mena leitet mit Hilfe weicher Gestik. Da modellieren die Hände in schwebenden Bewegungen die Luft, gerade so wie ein Sterne-Koch, der entzückt Petersilie verteilt. Weich fließend die Zeichengebung im Piano, wo der Stab, butterweich umflossen von Musik, bei betonten Zählzeiten kaum merklich nach oben wippt. Die freudig miterlebende Mimik erinnert an Semyon Bychkov. Wobei das in Bychkovs Gesicht stets latent präsente Mitleiden in Menas Zügen sich ins Liebevoll-Connaisseur-hafte wandelt.

Kurz, Mena dirigiert wundervoll, auch wenn Ibéria hier und heute noch Fragen offen lässt. Ich wäre für mehr Fieber gewesen. Menas Debussy besitzt in den Forte-Zuspitzungen nicht die trockene Hitze Abbados, und nicht die suggestive Glut Rattles.

Alberto Ginastera war Argentinier und hat ein Harfenkonzert geschrieben. Die Philharmonikerin Marie-Pierre Langlamet löst als Solistin sämtliche Spielprobleme im Handumdrehen, insbesondere im „Liberamente capriccioso“ der Kadenz. Langlamets Ambitus reicht von hart federnder Höhe bis zu wundervoll resonanter Tiefe. Das Konzert ist ein Stück feinster Distinktion, der Orchesterpart sparsam und von konzentrierter Schärfe. Frau Langlamet, ein bisserl länger hätte die Zugabe sein dürfen, n’est-ce pas? Und pourquoi muss Maestro Mena Sie erst kurz vor dem Künstlerzimmer intercepter und Sie mit baskischer Bestimmtheit zu einer Zugabe zwingen?

Manuel de Fallas El sombrero de tres picos besorgt iberisch sensibilisierten Zuhörern einen Spanien-Flash nach dem anderen. Das Stück bietet erstaunliche pyrotechnische Wirkungen. Es feiert Spanien als Land sinnlicher Schlagwerker und eindeutiger Rhythmen. Pointierte Soli (Egor Egorkins exemplarische Piccoloflöte, Wenzel Fuchs‘ elastische Klarinette, Michael Hasels feine Flöte) ebnen den Weg zum überaus plastischen Hauptthema, das es an melodischer Verve locker mit Wagners Walkürenritt aufnimmt. Raquel Lojendio streut, dezent rotblumig dekoriert, wohldosierte, aber feurige Sopranrufe ein.

Andreas Buschatz ist Konzertmeister.

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