Kritik Ultraschall Berlin: Ensemble Nikel und Caleb Salgado im Radialsystem V

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Das Ultraschall-Ufo landet für fünf kurze Tage in Berlin. Die Landepunkte befinden sich über ganz Berlin verteilt. Am Samstag konzentriert sich die Aktivität des Neue-Musik-Festivals Ultraschall Berlin vollständig im Radialsystem V. Es gibt zwei Nachmittagskonzerte, sodann zwei Abendkonzerte.

Konzert I bestreitet das Ensemble Nikel, vier junge Männern, die sich Saxofon, Klavier, Schlagzeug und E-Gitarre widmen.

Der in jeder Hinsicht aufschlussreiche Tag beginnt mit Fleisch (vollendet 2017) von ENNO POPPE, dem aktuellen Wunderwuzzi der Neuen Musik in Deutschland. Poppe transformiert in Fleisch das disparate Gestenrepertoire von Rock- und Jazzcombos in eine geschmeidig-flexible Kontinuität. Dass Poppe Werktitel gerne mit einer galvanischen Bedeutungsschwere auflädt, die an Beuys erinnert, rettet das irritierend bodenständige und wenig geheimnisvolle Werk indes kaum.  Weiterlesen

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Elena Stikhina singt Mimì (La Bohème Staatsoper Berlin)

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Es ist die letzte La Bohème der weihnachtlich-winterlichen Aufführungsserie an der Staatsoper Berlin und vielleicht nicht die schlechteste, was sowohl an Elena Stikhina als schwindsüchtiger Mimì als auch an Vincenzo Costanzo als Dichter Rodolfo liegen dürfte.

La Bohème Staatsoper Berlin

Elena Stikhina in den Armen Rodolfos: Mimì fliegt vom Sterbesessel / Foto: Monika Rittershaus

Was Elena Stikhina vokal auf die Beine stellt, überrascht. Sie singt die als einen einzigen großen Bogen komponierte Arie Sì, mi chiamano Mimì ohne Fehl und Tadel, mit porentief leuchtender Stimme und klasse Piano. Frau Stikhinas Vollhöhe ist dabei zum Bäume Ausreißen (Il primo sole è mio, il primo bacio dell’aprile è mio), da ist viel genuiner Ausdruck dabei. Weiterlesen

Kritik Ariadne auf Naxos Berlin Staatsoper 2018

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Brenda Rae Ariadne auf Naxos Staatsoper Berlin

Brenda Rae vor liebeskranker Ariadne / Foto: Monika Rittershaus

Wiederaufnahme von Ariadne auf Naxos.

Charme und Längen des Werkchens sind untrennbar miteinander verbunden. Die Musik gehört stellenweise zum Strauss-Schönsten. Hans Neuenfels‘ äußerlich kühle, innerlich kluge Inszenierung wird mit jedem Mal Ansehen klüger und Neuenfels‘ Botschaft mit jedem Mal Anhören pessimistischer.

Leben und Geist, Zerbinetta und Ariadne, Opera buffa und Opera seria, sie kommen einfach nicht zusammen. Ariadne und Bacchus, sie singen aneinander vorbei.

An den Solisten liegt’s nicht.

Da ist der Komponist der feurigen Marina Prudenskaya, die sich mit durchschlagsstarkem Organ in die Herzen der Zuhörer singt, aber etwas vokal- und konsonantenfaul agiert – flinkes Parlieren und Sprechsingen ist bei der Ariadne einfach ein Muss. Da ist die spritzige Zerbinetta von Brenda Rae, die ihre delikate Kehle als Startrampe für ein Koloraturfeuerwerk aus glockenreinen Staccati nutzt. Überdies verfügt sie über einen biegsamem Sopran. Roman Trekel (Musiklehrer) ist eine charaktervolle, angemessen resignierte, an Haar und Kleidung gleichermaßen ergraute Erscheinung. Das ist der schneidend kalte Haushofmeister, den Elisabeth Trissenaar mit messerscharfer Schauspielerpräsenz spielt. Weiterlesen

Kritik Berliner Philharmoniker Pappano Véronique Gens: Duparc Ravel Mussorgski Skrjabin

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Antonio Pappano Berliner Philharmoniker Véronique GensEin kurzer Abend in der Philharmonie. Das Programm verzichtet auf Sinfonien und Konzerte. Pas de symphonies, Mesdames.

Die zwei Stücke Ravels (Une barque sur l’Océan und Alborada del gracioso) sind beide Bearbeitungen des Originals für Klavier von der Hand des Komponisten. Die Barque steht als schwebendes Nichts an der Grenze zur Formlosigkeit, die Alborada erklingt als traumhaft sicher gefasste Folklore. Die Berliner Philharmoniker spielen Letzteres weniger delikat, dafür farbiger als unter Simon Rattle beim Silvesterkonzert 2011.

Von Henri Duparc erklingen L’Invitation au voyage (nach Baudelaire), Au Pays où se fait la guerre (nach Gautier), die geheimnisvolle Vision La Vie antérieure (nach Baudelaire) mit dem kurzen Anklang an Berlioz‘ Spectre de la rose in den beiden Höhepunkten sowie das frühe, intime Chanson triste (nach Lahor), vielleicht Duparcs bekannteste Komposition. Weiterlesen

Kritik Neujahrskonzert 2018 Wiener Philharmoniker mit Riccardo Muti

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Neujahrskonzert 2018 Riccardo Muti Wiener Philharmoniker

Glei spüt’s Granada auf da Gummigeign: das Neujahrskonzert 2018 der Wiener Philharmoniker mit Riccardo Muti

Kaum hat man sich vom Silvesterkonzert der Berliner Philharmoniker erholt, steht das Wiener Neujahrskonzert vor der Tür. Volle zwei Stunden erliegt man dem Wiener Charme. Als Nicht-Wiener erliegt man bekanntlicherweise besonders intensiv. Das ist so, als schaute man Strauß Vater im Demel (nur weibliche Bedienung! Wie Wiener Philharmoniker, nur andersrum) bei einem Kaffee Melange tief in die Augen. Weiterlesen

Kritik Silvesterkonzert 2017 Berliner Philharmoniker: Joyce DiDonato singt Strauss

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Joyce DiDonato Berliner Philharmoniker

Joyce DiDonato singt Strauss / Foto: joycedidonato.com

Das Jahresende 2017 naht mit Riesenschritten, schneelos und – in Berlin – fast bibberfrei. Statt Frost und Schnee fliegt jedoch die US-amerikanische Ausnahmesängerin Joyce DiDonato ein, wahrlich keine schlechte Alternative. DiDonato ist also die Weiterlesen

Hänsel und Gretel Berlin Staatsoper Achim Freyer – Kritik

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HänselundGretel Staatsoper Berlin Achim Freyer

Nicht ganz geheuer: hier steckt Hänsel schon in Schwierigkeiten / Foto: Monika Rittershaus / staatsoper-berlin.de

Mit einer klugen und quietschbunten Neuinszenierung von Hänsel und Gretel startete die Staatsoper Berlin Anfang Dezember mit Volldampf in den regulären Spielplan. Regie-Tausendsassa Achim Freyer (Kostüme, Bühnenbild, Regie) inszeniert die als Vorweihnachts-Kassenmagnet immerbeliebte Märchenoper von Humperdinck. Dabei meistert Freyer den Spagat zwischen hintergründig und kulleräugig, zwischen Erwachsenen- und Kinderoper mit viel Charme.

Hänsel und Gretel sind hier wirklich einmal Kindsköpfe. Deswegen agieren sie mit übergroßen Pappmaché-Gesichtern. Gretel trägt Haarschleife und Pünktchenkleid. Hänsel steckt in einer Lausbubenhose, die schnurstracks aus dem Bilderbuch kommt. Auf dem Scheitel sitzen ein keckes Käppi und ein giftgrüner Irokesen-Wisch. Das wirkt kindlich und symbolhaft zugleich. Bei Freyer kam der Stil ja immer schon aus der Überzeichnung. An der Staatsoper haut das hin. Die Gebrüder Grimm – von der Phantasie bonbonbunt beschwipst. Weiterlesen

Kritik La Bohème Staatsoper Berlin: Gheorghiu Beczala Daza Samuil

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2017 Staatsoper Berlin La Bohème Puccini

Weihnachten im Quartier Latin: Che chiasso! Quanta folla! / Foto: Monika Rittershaus

Eine Bohème an der Staatsoper Unter den Linden in glänzender Besetzung.

(Hier Kritik der Aufführung mit Elena Stikhina und Vincenzo Costanzo vom Januar 2018 lesen.)

Tenor Piotr Beczala und Sopran Angela Gheorghiu singen in Lindy Humes bewährter Inszenierung, die die Handlung aus dem Paris von 1830 ins Jahr 1900 verlegt und bei der pittoresken Milieuschilderung einen Mittelweg einschlägt: nicht zu viel Klischee und nicht zu wenig Gefühl.

Angela Gheorghiu präsentiert – wer hätte etwas anderes erwartet? – eine Mimì, die auch kokett, ja leidenschaftlich ist. Wie Gheorghiu singt, lässt kaum Wünsche offen. Ihre Stimme ist nicht zu groß, doch immer noch wunderbar konzentriert im Ton, voller magischer Pianissimi und kommt ohne verismohaftes Tosca-Röhren aus. Weiterlesen

Kritik Premiere L’Incoronazione di Poppea Staatsoper Berlin

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Anna Prohaska und Max Emanuel Cenčić

Turteltauben unter sich: Anna Prohaska und Max Emanuel Cenčić / Foto: Bernd Uhlig / staatsoper-berlin.de

Oh, wie verrucht war das alte Rom.

Oh, wie genial komponierte Monteverdi.

Es ist nicht ganz falsch, Monteverdis L’incoronazione di Poppea als Urknall der Operngeschichte zu bezeichnen. In Poppea, Monteverdis letzter Oper, 1643 in Venedig uraufgeführt, ist alles enthalten: Liebe und Tod, Intrige und Mord, Triumph und Untergang. Das ist der Stoff, aus dem die Oper ist. Hier geht die Liebe über Leichen und Amor regiert die Welt. Ober Amor die Welt gut regiert, ist freilich eine andere Frage. Die Oper als moralische Anstalt ist bekanntlich eine Erfindung des 19. Jahrhunderts. Stattdessen tapsen in Krönung der Poppea affektgesteuert Menschenschicksale durch die frisch gebackene Musikgattung Oper, verstricken sich immer tiefer in ihre Schicksale und singen sich die Seele aus dem Leib.

Was Regisseurin Eva-Maria Höckmayr nun mit Monteverdis erstaunlichem, überreichem Meisterwerk anstellt, erinnert stark an einen gewissen Christian-Lacroix-Chic. Weiterlesen

Kritik Berliner Philharmoniker Blomstedt: Bruckner Sinfonie 3 & Mozart KV488 Pires

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Berliner Philharmoniker Herbert BlomstedtHatte Hanslick doch Recht? Bruckner wäre ein Neudeutscher, bar jeder Melodie und Form?

Bruckners 3. Sinfonie in der Urfassung. Der Eindruck ist so-làlà. Bekanntlich war die Dritte Bruckners Schmerzenskind. Drei Werk- und zwei Druckfassungen existieren. Die Unterschiede zwischen Fassung 1 (1873) und Fassung 3 (1889) sind immens. Meist bekommt man die Version 1889 zu hören. Einst lobte Eliahu Inbal an den Urfassungen die „ungeheure Kraft“. Inbal sagte: „Wer die Urfassung kennt, kann die späteren Versionen nicht ertragen.“ Mir geht es andersherum. Ich kann beim Hören der Urfassung die Urfassung nicht ertragen. Weiterlesen