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Im Werner-Otto-Saal des Konzerthauses bietet das Ensemble unitedberlin seltenen Schönberg, Rares vom Schönbergschüler Ernst Bachrich sowie Zeitgenössisches des Österreichers Bernd Richard Deutsch. Schönbergs kurze Drei Stücke von 1910 klingen so frisch wie eine Uraufführung von Rebecca Saunders. Strapaziertes Repertoire für Kammerorchester ist das nun wirklich nicht. Zunehmend in den Blick kommen derzeit besonders Komponisten der Schönberg-Nachfolge. Man denke etwa an Robert Gerhard oder Nikos Skalkottas. Auch die Drei Gesänge op. 3 des Ernst Bacharich sind als willkommene Repertoire-Erweiterungen. Die mit Verve interpretierende Yeree Suh setzt sich mustergültig für op 3 ein. Die Gesänge erklingen in der Bearbeitung von Deutsch.

Was dann folgt, sind zwei Werke von Bernd Richard Deutsch. Dessen Variations für Quintett kontrastieren zackige Melodik und leise Akkordeonakrobatik über geheimnisvollen Streicherschwebungen. Alles easy plus ein Hauch angenehmer Altmeisterlichkeit. Der Dreiteiler Dr. Futurity gibt sich aufgeknöpfter.

Ensemble unitedberlin Konzerthaus 2022

Was nicht zuletzt an der Inspirationsquelle liegen man, dem Science-Fiction-Autor Philip K. Dick (UA 2013 beim Klangforum Wien unter Enno Poppe). Teil eins von Dr. Futurity exponiert hochgescheuchte Bläsergesten und eine gedämpfte Coda. Abschnitt zwei (Chimeara) fußt auf unaufdringlichem Pulsieren. Teil drei nimmt Tempo und Haptik des ersten wieder auf. Das Stück ist gespickt mit haarsträubenden Soli von Akkordeon, Klarinette, Kontrabass, Horn, Posaune und anderen. Salz in die bisweilen euphorisch aufkochende Klangsuppe streuen die Blechbläser (massiv die Posaune, scharf wie Chili die Trompete). Die Leitung von HK Gruber steigert das oft zu mitreißender Plastik. Gutes Konzert.