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Das Boulez Ensemble bündelt im Pierre Boulez Saal Werke von Crumb, Bartók und Schönberg zu einem spannenden Abend, der durch das Mitwirken von Zubin Mehta und Mojca Erdmann veredelt wird.

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George Crumbs Ancient Voices of Children über Texte von Lorca ist 50 Jahre alt, doch immer noch strahlt der fünfteilige Liederzyklus eine geheimnisvolle Kraft aus, die das Werk präzise umgibt – insbesondere wenn Mojca Erdmann die federleichten, doch mit Lorcas dunkler Bedeutung aufgeladenen Vokalisen vorträgt. Ihr Sopran trifft den Ton, agiert makellos, helltönend, verführerisch auch im magischen Echo-Duett mit dem Knabensopran (aus dem Kinderchor der Staatsoper). Der Klang, den das Boulez Ensemble hervorbringt, ist spontan und durchsichtig zugleich.

In der Solosonate für Violine sucht der im ungeliebten US-amerikanischen Exil nicht heimisch gewordene Bartók zwischen Avantgarde und kontrapunktischer Tradition zu vermitteln (UA 1944 durch Menuhin, wenige Monate vor Bartóks Tod). An sperriger Gestik und strenger Konzentration ist das Werk kaum zu überbieten. Michael Barenboim führt das exemplarisch vor, wenn er den akkordischen Zugriff zu drastischer Deutlichkeit führt (Chaconne). Danach berührt die Melodia mit klarem Liedgestus.

Ich könnte die Kammersymphonie op. 9 von Schönberg alle zwei Wochen hören. Zubin Mehta (im dunkelblauen Zweireiher, gebrechlich und soigniert wie ein langgedienter Kapitän) schlägt mittels sparsamer Bewegungen stoisch den Takt, während um ihn herum ein überbordendes, die Einzelstimmen nur mühsam bändigendes Tutti wogt. Das zwischen Scherzo und Reprise seinen Platz findende Adagio ist doch eines der schönsten überhaupt – Schönberg faltete Scherchen einmal zusammen, als er es viel zu rasch nahm. Jedenfalls hat das Adagio heute Ausdruck und unvergleichliche Wärme. Das Tempo ist zügig. Mehtas gemütliche Tempowahl bei Rosenkavalier war also bewusst gewählt.

Viel Applaus. Daniel Barenboim sitzt im karierten Jacket im Publikum.

Die nächsten Konzerte des Boulez Ensembles: Boulez-Konzert am 29. Februar, Ligeti-Konzert am 1. April.