Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin spielt im Konzerthaus am Gendarmenmarkt und Jurowskis Weg zu Bruckner führt über Haydn.

Ist das Programm deshalb so attraktiv, weil die Bezüge zwischen Haydns Sinfonia Concertante und Bruckners Dritter sich eher im Verborgenen finden? Etwa in einem systematischer thematischer Arbeit verpflichteten Grundethos?

Wladimir Jurowski jedenfalls pendelt Haydns dreisätziges, symphonisch-konzertantes Unikum zwischen zugreifendem Tutti und kecken solistischen Ausflügen aus. Das klingt durchaus berlinerisch direkt, längst nicht so charmant wie bei den Wiener Philharmonikern an gleicher Stelle vor einem Jahr. Jurowski wird dabei unterstützt von den flinken RSB-Solisten Clara Dent-Bogányi (Oboe), Konstanze von Gutzeit (Violoncello), Sung Kwon You (Fagott) und Rainer Wolters (Violine, Rezitativ im Finale), die sich virtuos-vorbildlich für das Werk einsetzen.

Virtuose Sperenzchen sucht man bei Bruckner vergeblich. Dass Wladimir Jurowski bei Bruckners Sinfonie Nr. 3 keine sakrale Überhöhung will, wird beim Misterioso des Beginns klar, das das Orchester straff und zügig gestaltet. Bruckners d-Moll-Werk tönt kraftvoll, in den großen Entladungen schnörkellos, kantig-nüchtern, stets sprungbereit. Die Überraschung ist, wie Jurowski Ordnung und singuläre Kraft, Einfachheit und übergreifende Dramatik unter einen Bruckner-Hut bringt.

Das ist überall zu hören. Zwei Beispiele: unmittelbar einleuchtend das zweimalige Ansetzen des Themas zu Beginn der Durchführung, wunderbar fließend das von den Streichersechzehnteln wie auf Händen getragene Trompetenthema des Repriseneintritts. Gut: Nebenstimmen sprechen stets vernehmlich mit.

Das Tempo ist souverän und zügig. Ritardandi gliedern an wichtigen Trennstellen den Strom der Musik.

Nüchtern und klar gelingt das Adagio. Und ähnlich wie einst bei Rattle steht bei Jurowski das Scherzo gleichwertig zwischen Adagio und Finale.

Bei Jurowski stehen ein sachlicher Enthusiasmus und unbedingte Genauigkeit nebeneinander. Es gibt andere Arten, Bruckner zu spielen, aber der Weg, den Jurowski und das RSB durch Bruckner weisen, ergibt unmittelbar Sinn.

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