Wenn es nur an allen Opern so fixe Waschfrauen gäbe! Das „Komische Oper Festival“ zeigt alle Premieren der Saison im Schnellwaschgang. Das Festival ist informative Rückschau, Einladung an die Freunde des Hauses und Selbstvergewisserung des Erreichten. Also husche ich noch schnell durch die Türen der Komischen Oper, ehe die Saison 2018/2019 ihre Pforten für immer schließt.

Jetzt war ja Die tote Stadt eine der heißesten Premieren-Kisten in den letzten zehn Monaten, nicht nur an der Behrensstraße, und das lag nicht nur an der hitzig strömenden, kaleidoskopartig bunten, gerne auch sentimental verrauschten Musik, die Erich Korngold schrieb. Auch der Stoff ist speziell: Da verliebt sich ein krankhaft auf seine tote Frau fixierter Mann in eine Tänzerin, die der Toten bestürzend ähnlich sieht – hier testet eine Oper mit viel Sinn fürs Transzendente die Grenzen von Realität und Wahn.

Die tote Stadt Sara Jakubiak Ales Briscein Komische Oper

Die Inszenierung (Robert Carsen) erzählt den morbiden Reiz dieser Geschichte in kühlen Bildern, das macht Carsen handwerklich sehr subtil. Auch die Lichtregie ist ausgefeilt. Das herrschaftliche, mobil wandbewegliche und gediegene Ungemütlichkeit ausstrahlende Riesenzimmer (Bühne: Michael Levine) wird dabei zum edel-stilvollen Tummelplatz für die Protagonisten, allen voran Aleš Briscein und Sara Jakubiak. Wobei die Umdeutung der toten Stadt in eine höchst lebendige Heilanstalt in der allerletzten Szene gar nicht nötig gewesen wäre.

Aleš Briscein gibt den Paul, diesen nekrophilen Sonderling, mit dunkel glimmender Leidenschaft, aber mit gut sitzendem Anzug, dazu singt er mit hellem und schlanken, weißlich strahlendem Tenor. Der tönt schön textverständlich und höhensicher, aber nicht immer tonhöhensicher. Die wie mit Silberstift gezogenen lyrischen Linien singt Briscein mit viel Gefühl für Stil und Klang. In der Rolle der koketten Marietta überzeugt Sara Jakubiak – mit sinnlicher Ausstrahlung und natürlich auch mit reicher, hypnotisch strömender Sopranstimme. Dunkel leuchtend die Mittellage, flirrend changierend die Spitzen. Hoffentlich wird sie auch in der – hoffentlich baldigen – Wiederaufnahme zu hören sein. Absolut hörenswert gesungen von beiden der süchtig machende Arien-Schlager Glück, das mir verblieb.

Als Pauls Freund Frank überzeugt Günter Papendell (auch Pierrot) mit kräftiger, eng vibrierender, wolliger Baritonstimme. Die Haushälterin Brigitta wird von der Mezzosopranistin Maria Fiselier gesungen. Auf Mariettas Party treiben Georgina Melville (Juliette), Marta Mika (Lucienne), Adrian Strooper (Victorin) und Ivan Turšić (Albert) ihr Unwesen.

Ainārs Rubiķis lässt der Frische der Partitur freien Lauf. Sein Dirigat hat Mut zur Farbe, robustes Tempo und positive Energie, ist aber um einen Ticken zu laut. Die harsche Kritik anlässlich der Premiere verstand ich schon damals nicht recht. Rubiķis ist mit dem Orchester auf gutem Weg.