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Das RSB-Konzert am Sonntagnachmittag.

RSB Berlin Thomas Adès Philharmonie Berlin

Foto: facebook.com/rsbOrchester/

Einmal Britten, einmal Liszt, einmal Adès, drei Mal Tod, so lautet das Fazit eines Musiknachmittags in der Berliner Philharmonie, der von Trauermusik und Todesvision erzählt.

Zuerst Brittens dreiteilige Sinfonia da Requiem, ein karges Weltkriegs-Memento und hybrides Frühwerk voll kaleidoskophafter Stileinflüsse. Die Sinfonia funktioniert als Triptychon-Dreisätzer mit dem düsteren Mahlstrom des seufzerseligen Lacrymosa, dem von Blechfanfaren durchgeisterten Dies irae mit fescher Strawinsky-Trompete und dem seltsam polyphon-dünnen Requiem aeternam, das als Abschied und verklärender Ausblick (Streichergesang!) zugleich fungiert. Adès führt das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin an etwas lockerer Leine.

Wie die meisten Besucher wohl höre ich jedes einzelne der drei Stücke zum ersten Mal.

Vor der Pause noch Liszts verwunderlich aufbrausender Totentanz, der sich vom fernen Mittelalter inspiriert zeigt, pianotechnisch aber weit in die Zukunft vorgreift. So janusköpfig tickte das 19. Jahrhundert. Die apokalyptische Toten-Phantasmagorie ist ein erstaunlich lebenssprühendes Werk von hochvirtuoser Fülle und kindlich-feinem Ernst, das Kirill Gerstein fix und hochbewusst mit Spannung und Energie auflädt. Neudeutsch-typisch entzündet sich Liszts Genie an Text und Bild: Höhepunkt des ehrgeizigen Realismus ist das klavierklimpernde Knochenklappern – wovon sich seinerseits Saint-Säens in seinem Danse macabre bei der bekannten Xylophonstelle inspirieren ließ.

Die Zugabe Kirill Gersteins: Mazurka op. 30/2 von Adès.

Totentanz für Mezzosopran, Barition und (mittelgroßes) Orchester (UA 2013) komponierte Thomas Adès zum Gedenken an den verstorbenen Lutosławski. Auch Adès geht von mittelalterlicher Quelle aus. Als Textgrundlage dient der im letzten Weltkrieg zerstörte Totenfries der Marienkirche Lübeck. Die großartige Christianne Stotijn bringt ihren unverwechselbaren Klang (tönender Körper, herbe Struktur) ein, Simon Keenlyside (im fordernden Klang an Fischer-Dieskau erinnernd) seine Deklamationsintelligenz. Die Stimmen verschränken sich zu heftigen Duetten, singen im nächsten Moment erneut freigestellt auf imaginärer Todes-Bühne. Ob dieser Totentanz beim Letzten Gericht bestehen wird, wird sich noch weisen müssen.

Der Flirt mit dem Tod am hellichten Nachmittag bei strahlendem Frühsommersonnenschein ist der Auslastung abträglich: Das Konzert ist mäßig besucht.

 

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