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Lisa Batiashvili Berliner Philharmoniker Baden-Baden Simon Rattle

Lisa Batiashvili spielt mit den Berliner Philharmonikern unter Simon Rattle / Foto: digitalconcerthall.com

Das fünfte Jahr in Folge verbringen die Philharmoniker Ostern in Baden-Baden.

Rattle und die Seinen genießen frühlingshafte Temperaturen an der freundlich plätschernden Oos. Und machen nebenher Musik.

Das heutige Programm – Hauptwerke von Dvořák und Bartók – strahlt Osterfestkonzertgediegenheit aus, die Spielstätte Festspielhaus und der vor fünf Jahren von der Salzach entführte Marketing-Rahmen „Osterfestspiele“ verpflichten.

Die georgische Geigerin Lisa Batiashvili und BPO-Chef Rattle spielen das Violinkonzert von Antonín Dvořák.

Sie trägt Seitenscheitel und Zottelmähne, Blümchenkleid und im Dekolleté ein Goldkreuzle, wie man in Baden-Württemberg sagt.

Ihr Geigenton: elastisch, freundlich vibrierend, nicht zu dunkel (Beginn Adagio). Ihr Lyrismus: flammend nervös, bisweilen verspielt, verborgen objektiv (man kann auch von einer inneren Handbremse gegen zu viel Extrovertiertheit reden). Ihre Deklamation: leidenschaftlich, aber nur verhalten drängend. Ihre Melodiebögen: wonneproppig strömend (Adagio). Etwas zu leicht genommen scheinen mir einige konventionelle Figurationsfüllsel des Kopfsatzes.

Im Ganzen spielt Batiashvili ein berührendes, frisches Dvořák-Konzert, nur ein bissl mainstreamy klingts irgendwie doch.

Die gut aufgelegten Berliner Philharmoniker begleiten ohne Scheu vor melodischer Breite, Rattle-typisch akzentbewusst, die Geigen vibrieren intelligent-modern um die Wette, der Klang schillert saturiert und warmfarbig.

Batiashvilis Zugaben-Schatzkästlein – gerne gibt sie georgische Preziosen zu – bleibt heuer geschlossen.

Nach der Pause das ereignisvolle Konzert für Orchester von Béla Bartók.

Simon Rattle führt das machtvolle Spätwerk mit der ihm eigenen Mischung aus Spontaneität und Konzentration auf, mit einer Mischung aus schier unerschöpflichen Artikulationsformen und Instrumentalfarben der Streicher und makellos schimmernden Einsätzen der Bläsersolisten. Das Rattle-eigene Fließen der Musik ist auch da (das hilft gegen ausgelatschte Interpretationspfade).

Auch der glühend konzentrierte Streicherton (bei dem ich immer das Gefühl habe, der Dirigent lasse die Streicher mit mephistophelischem Vergnügen im eigenen Saft schmoren) der Sätze 1, 3 und 5 ist echter Rattle.

Zu erwähnen bleibt, dass das Programm den Bogen spannt von der Hupfseligkeit des Vorzeigetschechen Dvořák bis zur unnachgiebigen Musikmeisterschaft des späten Bartók.

Also steht zu Beginn ein repräsentatives Trio aus den Slawischen Tänzen Opus 72 (die Nummern 3, 5 und 7), die ansonsten flotte Kehrausware fürs Konzertende sind, von den Berlinern dagegen heute dargeboten mit ernstem symphonischem Schmiss und dunkel durchwärmtem Cantabile.

Über Digital Concert Hall gehört.

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