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Neujahrskonzert 2017 Wiener Philharmoniker Gustavo Dudamel

Neujahrskonzert 2017 Wiener Philharmoniker Gustavo Dudamel

Erster Jänner 2017.

Als Berliner spricht man am Jahresersten gerne österreichisch.

Das Neujahrskonzert 2017 dirigiert der 36jährige Gustavo Dudamel.

Es scheint zwischen 1850 und 1900 in Wien kein Ereignis gegeben zu haben, zu dem den österreichischen Komponisten nicht ein Walzer einfiel. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass es in Wien so viele komponierte Tänze gibt wie anderswo Verkehrsampeln.

Da schau her. Auch 2017 kümmern sich die Wiener Philharmoniker um die Musik mit biegsamem Geigenlegato, blühenden Bläsern und zauberhafter Gruppenkoordination. Und in der Polka Auf zum Tanze! bläst die Solotrompete so fesch wie verträumt. Der Indianer-Galopp ist musikalisches Spritzgebäck, die Polka-Mazurka Nasswalderin von 1869 laut ORF-Moderator Christoph Wagner-Trenkwitz „zauberhafte österreichische Volksmusik“. Heute, am 1.1., glaube ich dem ORF jedes Wort.

Die Philharmoniker spielen in gestreiften Hosen, weißem Hemderl unter silberner Weste und Frack mitsamt Einstecktücherl. Es fallen die großen Schuhe des kleinen Gustavo Dudamel auf, dessen Lachgrübchen immer noch entzücken.

Wie jedes Jahr höre ich Österreichiana, die mir ohne Neujahrskonzert auf ewig unbekannt blieben. Man höre nur Karl Michael Ziehrers klarer Hereinspaziert!-Walzer. Und in Émile Waldteufels Les Patineurs-Walzer entwickeln die Wiener Philharmoniker diesen wienerisch-sensualistischen Reiz mit unnachahmlich melancholischer Note. Als großer Freund des Neujahrskonzerts frage ich mich allerdings, ob es mit der kecken Pepita-Polka oder der forschen Rotunde-Quadrille in der Mitte des Konzerts nicht einen Durchhänger gibt. Wie dem auch sei, die stürmische Tik-Tak-Polka und der tollkühne Radetzky-Marsch bieten dann Gelegenheit zu Temperamentausbrüchen, die nur die Wiener Philharmoniker in dieser schlawinerhaften Kultiviertheit bieten.

Wie immer wars schön. Und nächstes Jahr dirigiert Riccardo Muti das Neujahrskonzert.

Das Programm:

Franz Lehár: Nechledil-Marsch
Émile Waldteufel: Les Patineurs, Walzer op. 183
Johann Strauß (Sohn): S‘ gibt nur a Kaiserstadt, s‘ gibt nur a Wien, Polka op. 291
Josef Strauß: Winterlust, Polka (schnell) op. 121
Johann Strauß (Sohn): a) Mephistos Höllenrufe, Walzer op. 101; b) So ängstlich sind wir nicht! Schnell-Polka op. 413
Franz von Suppé: Pique Dame Ouvertüre
Carl Michael Ziehrer: Hereinspaziert!
Otto Nicolai: Mondaufgang
Johann Strauß (Sohn): a) Pepita-Polka op. 138; b) Rotunde-Quadrille op. 360; c) Die Extravaganten. Walzer op. 205
Johann Strauß (Vater): Indianer-Galopp op. 111
Josef Strauß: Die Nasswalderin, Polka mazur op. 267
Johann Strauß (Sohn): a) Auf zum Tanze!, Polka schnell op. 436; b) Tausend und eine Nacht, Walzer; c) Tik-Tak, Polka schnell op. 365
Johann Strauß (Sohn): An der schönen, blauen Donau, Walzer op. 314
Johann Strauß (Sohn): Radetzkymarsch op. 228

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