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Daniel Barenboim Staatskapelle Berlin Konzerthaus Berlin

Alle mal aufgestanden, die Damen und Herren: Barenboim und die Staatskapelle Berlin

Dieses Konzert im Konzerthaus Berlin (am Tag zuvor in der Philharmonie) beginnt mit Bedřich Smetanas Má vlast, und es endet mit Bedřich Smetanas Má vlast.

Wie immer man es betrachtet, Má vlast („Mein Vaterland“) ist ein Werk von zauberhaften melodischen Einfällen, und für den Schwung der Moldau-Melodie und das Feuer der Polka in Z českých luhů a hájů („Aus Böhmens Hain und Flur“) kann man auf einen Lohengrin verzichten. Die Bläser der Staatskapelle Berlin tragen ihr Herz auf der Zunge, und wenn die waldhonigglänzenden Streicher sich der Schilderung des tschechischen Landlebens hingeben, leuchtet der Himmel über den Äckern unseres Nachbarlandes nicht nur in lieblicher Bläue, sondern hängt auch noch voller Geigen.

Selbstverständlich lässt Daniel Barenboim den Staatskapellenklang dunkelwarm aufblühen, befeuert Spannungsspitzen und Steigerungswellen wie ein unermüdlicher tschechischer Hephaistos. Was mostsüßen Lyrismus angeht, macht das so schnell niemand den Berlinern nach – ausgenommen wohl die einschlägigen Prager Orchester. Erst recht trifft Barenboim den hohen, von der österreichisch-deutschen Musik der 1870er Jahre (Wagner Götterdämmerung, Brahms 1. & 2. Sinfonie, Bruckner 2. – 5. Sinfonie) doch so verschiedenen Ton der nationalgeschichtlich wohl enorm angereicherten Motive, Motti und Melodien.

Was auf deutsch übrigens unpassend goldig „Aus Böhmens Hain und Flur“ heißt, übersetzt Google in etwa als „Von tschechischen Wiesen und Wäldern“. Das klingt besser. Schließlich sind die seligen k.-u.-k.-Zeiten, ähm, seit genau 98 Jahren vorbei.

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