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Sasha Waltz Sacre du Printemps Saatsoper Berlin

Opfertod à la Sascha Waltz: Alles Strampeln hilft hier nicht / Foto: Bernd Uhlig

Drei Jahre nach der Premiere sehe ich  Sasha Waltz‘ Sacre wieder.

Waltz‘ Tanz-Triptychon, ins Leben gerufen 2013 zum 100. Jahrestag der Uraufführung von Strawinskys Erfolgsballett, heißt kurz und sachlich „Sacre“. So viel „Weihe“ ist dann aber gar nicht – zumindest anfangs, denn L’Après-midi d’un faune nach Debussys berühmter Musik und Berlioz‘ Scène d’amour sind auf jeden Fall zu 100% weihefrei. Die sinnliche Fauns-Pastorale macht Waltz zum picassösen Trikot-Theater, die „Liebesszene“ zum zarten Pas de deux.

Nur in Sacre du Printemps, in Strawinskys üppigstem Schocker, erreicht die Handlung weihevolle Höhen – und Niederungen: Das Individuum liebt und kämpft, nämlich um sein Leben (aber es kämpft mehr als es liebt), und am Ende siegt der Opfertod (den Maria Marta Colusi makellos tanzt). Das ist Sasha Waltz jede Menge Kreativität wert. Die tänzerische Aktion dezentralisiert sich in zahlreichen Hotspots, vervielfältigt sich, bündelt sich in drohenden Pfeil- und Tropfenformationen. Das entwickelt Ausstrahlung und Präzision. Aber mehr Präzision als (Stampf-)Wucht. Es liegt ein Hauch Altmeisterliches über diesem Strawinsky.

Die Tänzer stecken in erdig-edlen Kostümen, hier karges Ocker, dort lichtes Grau, halb Haute Couture, halb Antike… Tatsächlich. Sasha Waltz zielt hier aufs Altmeisterliche.

Daniel Cohen ist im Allgemeinen ein begabter junger Dirigent. Heute war er es eher vor der Pause als nach der Pause. Strawinskys Sacre verlor in dem Maße an Zusammenhalt, je länger er dauerte und je toter die Jungfrau wurde.

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