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Madama Butterfly Staatsoper Berlin

Madama Butterfly / Foto: Monika Rittershaus

Ach, die Madama Butterfly. In der Teenie-Tragödie Madama Butterfly wird besonders blutig gestorben. Es ist eine Tragödie ohne Bösewicht (Pinkerton ist ja aufrichtig verliebt). Mit sozialem Unterton (Liebe GIs, nehmt doch bitte die japanischen Mädls etwas ernster). Und ohne Fallhöhe (Butterfly stirbt so arm wie sie war).

Eike Gramss (Inszenierung) erzählt die Geschichte so, wie sie passiert. Wenn es so was überhaupt gibt. Wer im dritten Akt schluchzen will, findet reichlich Gelegenheit (Puccini: „Ich will die Welt zum Weinen bringen“). Hebt sich der Vorhang, steht zwischen dezent belebten Nagasaki-Werkstätten ein dekoratives Rudel Faltwände. Trippelnde Chordamen schwenken Papierschirmchen. Doch hält sich Gramss weitgehend mit Nippon-Schmalz zurück. Das Motto: entschlackte Japan-Folklore. Gut so.

Die Butterfly-erfahrene Alexia Voulgaridou ist beides: rührend kokette Geisha (Akt 1) und eine stolz-verletzte Madama Pinkerton (Akt 2 & 3). Indes, ihre Stimme ist mehr Madama als Geisha. Voulgaridou kann Pathos, Leidenschaft, Seelenstolz. Ihr sattfarbiger Sopran hat emphatischen Ernst. Voulgaridous unteres Register ist wunderbar. Nur das Spiel – hier hapert es. Voulgaridou tendiert zu krass pathetischen Gesten, womöglich ja ungünstig inspiriert von der Betulichkeit von Gramss (Es muss ja nicht gleich die kokette Zappelei von Angela Gheorghiu sein).

Dmytro Popov singt und spielt einen angenehm jugendlichen und etwas steifen Lieutenant Pinkerton. Zuerst Sunnyboy (mit sorgloser Arroganz), fällt dem reuigen Lover im dritten Akt die eigene Schuld wie Schuppen von den Augen. Die gut geführte, typisch slawische Tenorstimme – hell, farbarm – steht Pate. Ein Plus: die wetterfeste, metallisch angereicherte Höhe.

US-Konsul Alfredo Daza gibt mit viel Herzblut den freundschaftlichen Mahner, der bei Pinkerton auf taube Lieutenantsohren stößt. Katharina Kammerloher als Suzuki singt wohltuend instrumental und verhalten leuchtend.

Der umtriebige Goro ist Michael Smallwood. Der junge Vincenzo Neri singt den alten Yamadori mit unverschämt junger Stimme. Dennis Wilgenhof ist ein Gift und Galle spuckender Bonzo. Als Kate Pinkerton überzeugt Natalia Skrycka als causa innocente von Butterflys Unglück. Sie trägt ein tadelloses Fin-de-Siècle-Kostüm und zeigt zarte Regungen von Mitgefühl.

Die junge Dirigentin Eun Sun Kim leitet die Staatskapelle Berlin. Wie hört sich das an? Lebhaft im Detail und sehr frisch im Klang. Das dehnt und streckt sich wie junge Frühlingsblumen. Dabei verzichtet Eun Sun Kim vollständig auf unguten Puccini-Zucker. Im Zugriff kann sich noch was ändern, der ist bisweilen ungefähr 50 Stufen zu zaghaft (mehr Feuer, Frau Kim!). Obwohl, eigentlich ist gerade das Zaghafte hier interessant. Soll wiederkommen.

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