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Liebe der Danae Salzburger Festspiele 2016 Krassimira Stoyanova

Krassimira Stoyanova singt Die Liebe der Danae (Salzburger Festspiele) / Foto: Forster / salzburgerfestspiele.at

Richard Strauss‘ Liebe der Danae liegt für viele Opernliebhaber als Terra incognita irgendwo weit jenseits Salomeland und Elektrareich. Die „heitere Mythologie“, die „Danae“ sein soll, ist in Wahrheit eine verquaste Antikenklamotte mit Läuterungsdramatendenzen (Motto: von der Goldtussi zur Eselstreibergattin). Und Strauss? Jongliert virtuos mit Strauss-Tonfällen, gloriosen Strauss-Timbres. Strauss‘ Leitmotive grenzen in ihrer überzüchteten Simplizität an’s Wunderbare. Ja, die schöpferische Substanz quillt nicht mehr aus Kübeln. Doch der sprödsubtile Zauber der „Danae“ entfaltet sich, die Wirkung dieses Zaubers liegt irgendwo zwischen der Klarheit eines Haydnquartetts und dem Konversationston von Rheingold.

Die Liebe der Danae Salzburger Festspiele 2016

Turban, wohin das Auge blickt: Die Liebe der Danae, inszeniert von Alvis Hermanis / Foto: Forster / salzburgerfestspiele.at

Regisseur Alvis Hermanis bietet in Salzburg Theaterzauber in Tutti-Frutti-Farben. Ganz klar, Hermanis macht auf orientalischer Märchenonkel – optisch sieht das aus, als hätte Hermanis zu viel Kreuzberger Karneval der Kulturen geguckt. Er nimmt dafür in Kauf, dass er so der Oper jedwede dramaturgische Substanz  entzieht. Man reibt sich vor lauter Turbankugeln die Augen. Und dann die in Gold getunkten Ballettmäuse. Nicht zu vergessen der leibhaftige Esel. Geht’s noch, Alvis?

Ich höre Ö1.

Krassimira Stoyanova kleidet die stolze Danae in orangen Stimmgoldschimmer. Individuelles Timbre und vokale Autorität begeistern. Nur in der Sopranstratosphäre begegnen Schärfen. Tomasz Konieczny singt den Jupiter als vokal präsenten Bruder Leichtfuß und versierten göttlichen Dampfplauderer. Deklamationsseitig hätte ich mir (noch) mehr Raffinesse gewünscht. Gerhard Siegel agiert textdeutlich und in fester Stimmschönheit als Midas – und dazu auch noch fern jeder vokalen Kraftmeierei. Norbert Ernst singt den Merkur, Wolfgang Ablinger-Sperrhacke den insolventen, zappelphilippigen Pollux. Regine Hangler ist die dienstfertige Xanthe. Die vier Könige verkörpern Pavel Kolgatin, Andi Früh, Ryan Speedo Green und Jongmin Park. Jupiters göttliche Ex-Gespielinnen singen berückend schmeichelnd Maria Celeng (Semele), Olga Bezsmertna (Europa), Michaela Selinger (Alkmene) und Jennifer Johnston (Leda).

Liebe der Danae Richard Strauss Salzburg Wiener Philharmoniker Welser-Moest

Turbanträger unter sich: Die Liebe der Danae von Alvis Hermanis / Foto: Forster / salzburgerfestspiele.at

Es spielen unter Franz Welser-Moest die Wiener Philharmoniker, die die Strauss’schen Liniengespinste nach Lust und Laune versilbern. Die subtilen Philharmoniker treffen Ton und Nerv dieses weltabschiedsfalben und doch unzeitgemäß heiteren Kabinettsstücks. Ja, die Liebe der Danae wird nie eine Repertoire-Bombe werden. Aber höllischen Spaß macht das Ganze schon.

Weitere Kritiken:

Es wird nur dekoriert“ (welt.de)
Und dann und wann ein weißer Elefant“ (presse.com)
Kritik der Uraufführung 1952: „Die Liebe der Danae“ (zeit.de)
Kritik der New Yorker Erstaufführung 1983: „Richard Strauss: Die Liebe der Danae“ (nytimes.com)

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