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András Schiff Daniel Barenboim Béla Bartók Klavierkonzert Nr. 1 Staatskapelle Berlin Philharmonie

András Schiff spielt Béla Bartóks Klavierkonzert Nr. 1 / Foto: Schlatz

Saisonfinale. Daniel Barenboim und András Schiff schultern den letzten Konzertdoppelpack der Staatskapelle.

Ich habe auch schon gute Kompositionen von Jörg Widmann gehört. Meine Sitznachbarn sind von „Con brio“ begeistert. Wir haben eine kurze Unterhaltung. Ich bleibe dabei. „Con brio“ ist ein belangloser, kleiner, zu vernachlässigender Orchesterscherz, den die Staatskapelle sich unnötigerweise zwischen Die Walküre und Siegfried gönnt.

Für Béla Bartóks Klavierkonzert Nr. 1 finden András Schiff und Daniel Barenboim ein interessantes Arrangement: Man ist lässig im Tempo (so gelingen die zwei Beschleunigungen in der Durchführung besonders spektakulär). Außerdem darf Barenboim mit der Staatskapelle die grotesken Effekte (Holzbläsertriller in Satz 1) auskosten. Dafür verzichtet Schiff auf stures Tastenhämmern. So wird der Binnensatz zum Piano-Geheimnis – wo sonst oft nur intellektuelle Grisailletöne vorherrschen. Kurz gesagt, Barenboim und Schiff unterlaufen das Pathos der Motorik, machen Bartók stattdessen spritzig, universell farbecht.

Beethoven 3. Sinfonie. Daniel Barenboim setzt seine Duftmarke schon mit den zwei bravourösen Tuttischläge des Beginns. Und sonst? Die leidenschaftlichen Linien der ersten Violinen sind immer wieder klare Statements (schon beim allerersten Thema, oder die ausgelassen flutenden ‚G’s vor dem zweiten Thema in der Reprise). Das Tempo bewegt sich im Bereich Knappertsbusch, Klemperer. Wie ein Thema zur Überleitungsphrase kommt, oder eine Einleitungsphrase zum Thema kommt, wie da Spannungsmarken gesetzt werden, wie thematische Prozesse mit dramatischem Leben gefüllt werden, das sind Entwicklungskurven, die Barenboim keiner nachmacht. Enorm beeindruckend die leicht verwischte Klarheit der ersten Geigen zu Beginn der Coda (pianissimo, diddl-di-di-di-di, diddl-di-di-di-di). Sehr hörenswert auch Bässe, Celli und Bratschen, die im weiteren Verlauf der Coda das Hauptthema in kühner Untertunnelung der Staccato-Holzbläser und der synkopisch gespannten Geigen weitertragen.

Auch der zweite Satz ist exzellent. Im dritten bin ich unkonzentriert. Der vierte gelingt auch.

Mit Verwunderung stelle ich fest, dass ich noch nie eine Beethovensinfonie von der Staatskapelle unter Daniel Barenboim gehört habe.

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