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Ludovic Morlot DSO Berlin Vilde Frang Korngold Violinkonzert

Ludovic Morlot war zufrieden mit Vilde Frang / Foto: twitter.com/LudovicMorlot

Der liebe Gott setzt vor Ticciatis Erscheinen in Berlin den Bandscheibenvorfall. Schade. Gut, die Schuld liegt nicht bei Ticciati, sondern bei der Bandscheibe. Dennoch schade.  

Ludovic Morlot springt ein.

Die unergründlichen Strömungen des gegenwärtigen Zeitgeists begünstigen Korngolds Violinkonzert, Jahrgang 1947, mit dem anzufreunden mir nach wie vor schwerfällt. Korngold generiert in den Zwanzigern großartige Opern-Hypes, er kommt im Exil-Kalifornien der 30er und 40er zu hohem Filmmusikruhm – hierin sicherlich grimmig beneidet von Duzfreund Schönberg. Überschätze ich Wolfgang Rihm, wenn ich annehme, er könnte ein solches Konzert in stilkopierender Absicht binnen fünf Tagen schreiben? Korngolds Violinkonzert vermeidet jeden Anschein von Verbissenheit. Dafür ist die harmonische Spannung  des ersten Satzes so schlaff wie eine ausgedrückte Pampelmuse. Schön ist die Romanze. Luvodic Morlot dirigiert im Sfumato-Modus. Ist das mehr als Nostalgie pur in Konzertform? Besser noch mal mit beschäftigen.

Vilde Frang Korngold Violinkonzert Berlin Philharmonie

Kann dieser Blick Böses wollen? Vilde Frang spielt das Korngold-Konzert / Foto: vildefrang.com / Sussie Ahlburg

Vilde Frang macht Korngolds Violinkonzert zu einem Hinhörer. Höhepunkt ist die Romanze, in der die anmutige Frang mit subtilem Vibrato, sich verfließendem Lyrismus und leidenschaftlichem Gesang zu Werke geht. Ich höre betörend leichte, fast blumige Expressivität. Ihr Ton ist konzentriert, in Inneren des Tons spielen Farben mit der Vorstellungskraft des Zuhörers Pingpong. In den Ecksätzen bleibt Vilde Frang um ein Weniges blasser. Theatralischer.

Vilde Frangs Zugabe ist Bjarne Brustads kurzes Veslefrikk aus Eventyrsuite (1932).

Vilde Frang Violine Konzert Berlin Philharmonie

Finger freischwebend, Zuhör-Modus, Blick schräg nach oben: Vilde Frang / Foto: vildefrang.com / Sonja Werner

Jörg Widmann festigt seinen Ruf als virtuoser, wenn auch zu virtuoser Komponist. Er ist der Komponist des Irgendetwas-ist-immer-zuviel. In Armonica sind es die Schlagzeugeinsätze, die zu viel sind.

Von den La Mers des Herrn Debussy wird man in jeder Saison überschwemmt. Zuerst scheint es, als wolle Morlot uns nur behaglich ertränken, aber dann zieht er die Zügel an und führt das DSO zu einem wirkungsvollen, dreifachen Forte in heroischem cis-Moll.

Davor Ravels Valses nobles et sentimentales, Nostalgie pur in Suiten-Form, die heute uninteressant klingen.

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