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Brenda Rae Zerbinetta, Marina Prudenskaya Komponist

Hans Neuenfels inszeniert Ariadne auf Naxos: Marina Prudenskaya und Brenda Rae / Foto: Monika Rittershaus / staatsoper-berlin.de

Ariadne auf Naxos.

Die Richard-Strauss-Oper ist eine der ersten Anti-Opern. Kammerspiel, kleine Besetzung, selbstreferenzielles Libretto – all das war 1912, 13, 14 gewitzte, gewagte Avantgarde.

Regisseur Hans Neuenfels, der Opernschreck vom Dienst, schüttelt eine konzentriert-heitere, altersweis(s)e Ariadne aus dem Ärmel. Neuenfels lässt die regietheaterliche Brechstange in der Hosentasche. Nobel wie er ist, macht er stattdessen aus Strauss‘ Ariadne ein dezentes Lehrstück über Liebes-Einsamkeit und tödlichen Kunsternst. Auf der Bühne strahlen Wände und Ariadnes Chaiselongue im Kampf um das blendendste Weiß um die Wette (Bühne Katrin Lea Tag).

Adrianne Pieczonka: In diesen klinisch reinen, heiligen Kunsthallen bleibt der vom Liebes-Aus traumatisierten Ariadne nur der Selbsttod. Neuenfels lässt den Bacchus da unfreiwillig Sterbehilfe leisten. Pieczonka verkörpert die spröde Ariadne mit raumfüllenden Sopran und echtem Diva-Sound.

In diesem Bühnen-Naxos singen Narine Yeghiyan (Najade, leidenschaftlich), Natalia Skrycka (Dryade, kantig-kräftig) und Sónia Grané (Echo, zart-apart) ein eifriges Gouvernantentrio. Sie tragen kecken Muschelhaarschmuck.

Marina Prudenskaya: ist ein Komponist mit feurig entschlossenem Kunsteifer. Prudenskayas Aussprache ist so-so. Aber ihre das Vorspiel beendenden Kunstbekenntnisse sind heißer als jede Stichflamme.

Roberto Saccà: spielt den mythologischen Weingott wie eine Eins und ist überdies ein höhensicherer Bacchus voll tenoraler Virilität. Saccà ist gewiss keine 25 mehr, aber diese phonstarke Vollhöhe mit dem Timbre einer F-Trompete ist für Ariadne genau das richtige.

Brenda Rae Zerbinetta

„Versucht es mit Musik!“: Brenda Rae ist Zerbinetta / Foto: twitter.com/braesingslalala

Brenda Rae: Ihre Spielfreude wird durch den Babybauch – wie weiland Magdalena Kozena als Mélisande – sichtbar gehemmt. Raes biegsamer Sopran bietet glockenklare Staccati und kurvensichere Koloraturen.

Roman Trekel: tadellos, kernig, autoritär, durchdringend, charaktervoll.

Elisabeth Trissenaar: perfide eindrucksvoll als schneidend-intransigenter Haushofmeister. Aber Trissenaars messerscharfe Schauspielerpräsenz greift zu dominant in das zarte akustische Gewebe des Vorspiels ein.

Tanzmeister ist Florian Hoffmann.

Zu Brenda Raes Spaßtruppe gehören die schlimmen Finger Gyula Orendt (Harlekin), Grigory Shkarupa (Truffaldin), Stephen Chambers (Scaramuccio) und Miloš Bulajić (Brighella).

Karl-Heinz Steffens, Ex-Philharmoniker, leitet energisch, doch ohne aus den Musikern jenes flirrende Strausskolorit, jene holde Hyperkomplexität zu kitzeln, die man von der Staatskapelle Berlin bei Ariadne auf Naxos erwarten darf.

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