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Aventures Ligeti

Aventures Ligeti: Lydia Brotherton, Markus Hollop, Lena Haselmann / Foto: Martin Koos / staatsoper-berlin.de

Musiktheater der Sechziger.

Werkstatt Staatsoper.

Ligetis flatterhafte Aventures und Nouvelles Aventures rahmen Kagels Sur Scène.
Die Aventures (1962) sind himmelstürmende, klassische Avantgarde. Sie atmen den simplen, kraftvollen Stil von exemplarischen Werken – Kopfsatz Beethoven 5. Nouvelles Aventures (1965) bereichern das Vorgängerwerk und lockern dabei dessen singuläre Spannungsdichte.

Ligetis Aventures-Pärchen bietet den unvergänglichen Reiz opernartiger Aktion ohne sinnhaften Text. Wenn man ehrlich ist, gibt es Vergleichbares spätestens seit Rheingold („Wallala, weiala weia!“), aber bei weitem nicht so konsequent. Ligetis Strategie besteht darin, aus einer schwelgerischen Vielzahl genau definierter, vokaler Affektgesten ohne bekannte, textliche Bindung einen fliegenden Teppich der Inspiration und Poesie zu weben.

Aventures hält so tolle Dinge bereit wie das Einatmen „molto misterioso“. Das Libretto ist definitiv eine faszinierende Lektüre. Mauricio Kagels Sur Scène (1960) scheint auf originär musikalischer Ebene schwächer als Ligetis cooler Doppelmoppel, ist aber stärker im Offen-Konzeptionellen.

Nouvelles Aventures Ligeti

Die Gesangsparts sind mit Lydia Brotherton (Sopran), Lena Haselmann (Mezzo) und Markus Hollop (Bariton) gut, aber nicht glänzend besetzt, sofern man noch Simon Rattles Konzert mit beiden Stücken vor vier Jahren halbwegs im Ohr hat. Markus Hollop ist für glänzende Soli verantwortlich. Schauspieler ist Felix Theissen.

Michael Höppner (Regie) ist so schlau wie wir und verlegt Aventures ins Zeitalter der Neandertaler – wenn ich die Zotteldichte der Kostüme korrekt deute. Aus drei Metern Entfernung verfolgt, trägt eine zu bluternstem Nonsens entschlossene Inszenierung wie diese stets Anzeichen von Dilettantismus. Das Schöne an dadaistischer Musik ist ja, dass der Regisseur machen kann, was er will. Heuer sehe ich Neandertaler und Irrenhausinsassen. Ich fände auch Cro-Magnon-Menschen und Frittenbudenverkäufer passend.

Max Renne leitet. Ich gestehe es, in Nouvelles Aventures bin ich froh, nach zweieinhalb Minuten ein ausgedehntes Hornsolo zu hören.

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