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RSB Verdi Requiem

Marek Janowski, Günther Groissböck, Stefano Secco, Marina Prudenskaya, Hulkar Sabirova sowie RSB und Rundfunkchor Berlin / Foto: facebook.com/rsbOrchester

Verdi-Requiem.

Unter Marek Janowski durchmessen RSB und Rundfunkchor Berlin plus Gesangssolisten das Verdi-Requiem.

Der Hörer wird durch Klangräume erlesener Dolcissimo-Hochflächen, extrovertiert-aggressiver Klangblöcke und schwungvoller Crescendi hindurchgeführt. So macht Verdi den Tod zu Klang. Jede Sekunde aufwärts ein Himmelsblick, jede Sekunde abwärts ein Seelenseufzer.

Das Wort von der Messa da Requiem als der schönsten Oper Verdis verkennt, dass der Großteil des Werks aus Ensemblenummern von komplizierter Faktur besteht.

Fehlende künstlerische Sorgfalt bei der Trauerarbeit kann man dem Solistenquartett nicht nachsagen. Hulkar Sabirova lässt ihren perlmuttartig schimmernden Sopran leicht über dem Chor schweben. Sie besitzt weicheren Lyrismus als Krassimira Stoyanova besaß, die das Requiem am gleichen Ort unter Jansons mit spezifischerem Klang sang. Marina Prudenskaya bringt das dunkle Timbre ihres Mezzosoprans ein. Prudenskaya verfügt über die leidenschaftliche Grandeur einer Mezzosopranistin. Stefano Secco bewältigt die Tenorpartie mit metallischen Glanz und dynamischer Sorgfalt. Im Ingemisco hört man eine nicht allzu große Stimme voller Helligkeit, Frische und Klarheit, tonschön auch in der Halbstimme – einige Aspirierungen bei Triolenfiguren stören, das zweimalige Spitzen-B kann freier klingen. Über Günther Groissböck – in diesem Jahr der beeindruckendste Orest weit und breit und der (weltweit) beste Fasolt – kann man (fast) alle anderen Requiem-Bässe vergessen. Reich und nobel im Klang, hat die körnige Bassstimme einen metallischen Kern und wird superb geführt.

Der Rundfunkchor Berlin singt (fast) schöner als der Tod erlaubt. Marek Janowski leitet die sehr sorgsame Aufführung als strenger Gebieter, in der rechten Hand den präzise auf und ab hüpfenden Stab, während die linke Hand größere Freiheiten genießt. Sie darf in kreisrunden Bewegungen animieren. Die Schleusen des Dies Irae öffnet Janowski mit beiden Händen. Der Gesamtduktus des Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin ist getragen. Eine große Ehrlichkeit des Ausdrucks herrscht vor.

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