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Berliner Philharmoniker Andris Nelsons Alpensinfonie Gustavo Dudamel

Alpensinfoniker aller Länder, vereinigt euch: die Teilzeit-Berliner Andris Nelsons und Gustavo Dudamel / Foto: twitter.com/andris_nelsons

Nelsons dirigiert Alpensinfonie und Schostakowitsch.

Die Berliner Philharmoniker überzeugen. Nelsons injiziert ihnen einen drastisch-überwältigenden Stil. Aggressiv, scharfkantig, nicht eigentlich ekstatisch, stets kontrolliert. Energische Linien, Farbenspiel. Expressive Einzelleistungen (Dominik Wollenweber, Tamás Velenczei, Albrecht Mayer). Das Tempo ist gerne belebt. Da öffnet Nelsons jäh härtere Klangzonen („Auf dem Gletscher“). Technischer Schnickschnack, den es auch gibt (Strauss ließ sich bei der thematischen Arbeit nicht lumpen), ist zweitrangig. Dennoch dürften die Sturzbäche des Gewitters eine der besten Fakes der Musikgeschichte sein. Und schier unglaublich die intonatorische Homogenität der acht Hörner in den Schlussabschnitten. Für „Ausklang“ und „Nacht“ findet Nelsons zu hellwacher Weiträumigkeit. Die Alpensinfonie als klangekstatischer Aktionsraum – Nelsons Interpretationen schließen seit je Elemente äußerster Direktheit ein.

Berliner Philharmoniker Andris Nelsons Alpensinfonie Hörner

2, 4, 6, 8, 10… ähh, viele Berliner Hörner / Foto: twitter.com/sarahwillis

Der Lette dirigiert mit der ihm eigenen gestischen Direktheit. Nelsons‘ dirigiertechnische Virtuosität und seine expressionistischen Verbiegungen auf dem Podium scheinen auf faszinierende Weise einander zu bedingen. Beide sind – bei tickendem, präzisem Schlag des Stabs – inzwischen Kartenkaufargument.

Baiba Skride spielt Schostakowitschs erstes Violinkonzert als weit ausschwingenden Monolog, energisch im Ton, ernst und bestimmt in der Haltung, mit vollem Bewusstsein für Schostakowitschs große Architektur.

Gustavo Dudamel war mit der Staatskapelle näher am Geheimnis der Musik dran, agierte freier, spontaner, menschlicher. In Dudamels Interpretation lebt noch Nachklang vom romantischen Freischütz-Ton.

Christians Thielemanns Alpensinfonie habe ich nicht gehört. Doch wer Thielemanns Bruckner kennt, kann sich vorstellen, wie Thielemann am Dienstag dirigierte. Altmeisterlich versiert, etwas goldig-behäbig, in den Kulminationsstellen von prasselnder Wucht. Thielemann dirigierte, als wär die Alpensinfonie von 1915. Richtig – aber nicht spannend. Stimmt’s?

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