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Der Freischütz Staatsoper Berlin Inszenierung Thalheimer

Jäger in Hosenträger: Falk Struckmann vor deutschem Rest-Wald / Foto: Katrin Ribbe / staatsoper-berlin.de

Fetter Freischütz.

Nach einer guten Katja Kabanowa und einer sensationellen Entführung inszeniert Michael Thalheimer an der Staatsoper Berlin Freischütz.

Dabei gilt: Selbst wenn Thalheimer den Freischütz verthalheimert, die Wolfsschlucht lässt selbst ein Thalheimer nicht weg.

Es sieht halt nur ein bissl anders aus.

Und ja, auch im Freischütz verfährt Thalheimer nach der Brühwürfeltaktik. Konzentrieren ist besser als Verwässern.

Was das heißt? Weg mit Sprechstellen, die nicht interessieren. Fort mit der Pause, die dem Stück die Insistenz raubt. Weg mit Singspielschmonz. Her mit den großen Bildern und den schönen Gefühlen. Die Agathe von Anna Samuil (stark im lyrischen Ausdruck) darf den Mond ansingen. Der Max von Burkhard Fritz (burschenhaft-heroisch) darf sich verzweifelt auf dem Boden wälzen.

Freischütz Berlin Staatsoper 2015

Peter Moltzen alias Samiel alias DER SCHWARZE JÄGER: Mit diesem Blick klappt einfach jeder Flirt / Foto: Katrin Ribbe / staatsoper-berlin.de

Und sonst? Es herrscht ausgedünnte deutsche Folklore.

Aber Thalheimer wäre nicht so ein gerissener Reduzierer, wenn es nur um Rückbau ginge. Denn hier im Schillertheater spielt der Freischütz von vorne bis hinten in der Wolfsschlucht. Zwar fehlt der Wolfsschluchtszene der übliche Hokuspokus. Doch dafür dreht Olaf Altmann (Bühnenbild) für Thalheimer die Wolfschlucht in die Horizontale und macht ein konisches Erdrohr aus ihr.

Schön: Marthalers Verknappungskalkül gibt dem Schluss eine Drehung ins Märchenhafte. Hinweg mit dir, spätfeudale Konsensgesellschaft. Ein Prachtstück ist der giftig-adrette Brautjungfernchor.

Anna Samuil Agathe Freischütz Berlin Staatsoper

Selfie? Pfffhh!! Heutzutage für Agathe null Problem! / Foto: Anna Samuil / Quelle: facebook.com

Das Ännchen Sónia Grané singt etwas unstet, aber äußerst frisch. Kaspar ist der großartige Falk Struckmann. Ansonsten singen Wilhelm Schwinghammer (Eremit), Christian Oldenburg (Kilian), der energische Alfredo Daza (Ottokar) und Victor von Halem (Kuno). Ein Schleicher vorm Herrn ist der ubiquitäre Samiel Peter Moltzen.

Alexander Soddy ist ein junger britischer Dirigent, dem entweder rhythmisches Feuer oder Straffungsvermögen oder beides fehlt. Die Staatskapelle kann besser spielen. Es fehlt Finesse. Aber man hört schöne Soli von Solofagott und Soloklarinette.

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