Das Konzert war besuchenswert wegen der Sechsten von Prokofjew, aber auch wegen des vierten Klavierkonzerts.

Beethoven Opus 58.

Hélène Grimauds Anschlag ist leuchtend hell. Ein Sonnenscheinanschlag. Ein Rita-Streich-Anschlag. Sie spielt bezwingend spritzig. Sehr flüssig. Aber ich stehe Grimauds Spiel teilweise ratlos gegenüber.

Und damit zu den Minuspunkten. Rhythmisch hält sich Grimaud zu sehr am Erwartbaren. Die schmückenden Läufe sind relativ uninteressant (Allegro moderato). Mir scheint Grimauds Spiel geradezu unerheblich. Weder die Ausformung und Fassung der Themen noch der angenehm klare Anschlag scheinen dem musikalischen Sinn größtmöglich nahezukommen. Akkorde in Schlusswendungen haben nicht die nötige abschließende Kraft. In der Kadenz (die „erste“) ist und spielt Grimaud freier. Da ist auf einmal Wagemut, heftiges Drauflosstürmen. Die selbstverliebte Komponente tritt zurück. Es ist wahr, man muss ihren himmelnden Blick mit Nichtachtung strafen. Zumindest versuchen. Valery Gergiew macht einen auf unauffällig. Ruhe, Schönheit, Kraft. So einfach ist das.

Die Sinfonie Nr. 6 von Prokofjew. Man kann von Gergiew Rasanz und Raserei erwarten. Das wäre aber dumm. Einem entgeht Gergiews Meisterschaft. Diese gebremste Dynamik, dieser breite, aufgefächerte Klang, diese Ruhe zum Abphrasieren. So kommt der Charme der depressiven zweiten Themen zur Geltung. Das Ende des Binnensatzes macht Gergiew mit einer Routine, als würde er zuhause in der Datscha in Unterhose Blini zusammenrühren. Ich habe das dumpfe Gefühl, dass die Berliner Philharmoniker die Sechste mehr über sich ergehen lassen als dass sie mitfiebern. Jaja. Aber es ist dennoch eine Darbietung voller Ernst und Reife. Anders als beim Beethovenkonzert entsteht ein übergeordneter Zusammenhang. Weiß der Himmel, warum alle immer nur Prokofjews 5. spielen. Ich versuche auf diesen Seiten ja mit schon beinahe hartnäckiger Penetranz Rattle davon zu überzeugen, dass er einen Prokofjewzyklus machen soll. Pustekuchen. Pfiffig übrigens die holzigen Spechtsignale im Kopfsatz, vom Philharmonikerperkussionspersonal entzückend gespielt.

So, Schlusswort: Es ist herrlich, wie Gergiew die Philharmoniker mit so schön viel Raum spielen lässt.

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