Musikfest Berlin. Brahms, 1. und 2. Klavierkonzert.

Zuerst op. 15. Zu Beginn ist Dudamel unruhig, Barenboim unentschlossen.

Dann bricht ein Trillerwettkampf aus. Dudamel bemüht sich um möglichst pralle Triller, Barenboim um möglichst giftige Triller.

Im weiteren Verlauf wuchtet Barenboim den stolzen Repriseneintritt auf den Tisch. Er spielt ihn ausdrucksvoll und ungelenk. Barenboim strebt nach Gewichtigkeit.

Er merkt wahrscheinlich, dass die Brahms-Konzerte mit der Zeit nicht leichter werden. Anders ausgedrückt, er greift oft daneben. Das kennt man. Aber heute Abend waren die Vergreifer ausnehmend häufig. Tja, und die Triller klingen schwerfällig, die berühmten Oktatvtriller unkoordiniert.

Doch im 2. Satz machen Dirigent und Pianist ihre Sache gut. Barenboims Spiel atmet. Brahms‘ Musik geht auf wie ein warmer Hefeteig. Dudamel findet im 2. Satz Ausdruck und Tempo, im 3. Wärme und Zügigkeit – schön ist das Streicherfugato. Das Zusammenspiel von Orchester und Barenboim ist vorzüglich frisch. Das demonstrative Insistieren aufs Langsam Werden gegen Ende des Finales wirkt auf geglückte Weise als Dokument einer Künstlerfreundschaft.

Das 2. Klavierkonzert gelingt besser.

Zu Beginn spielt Barenboim trocken. Die Staatskapelle donnert die Hornrufe vor dem zweiten Einsatz des Pianisten markant und froh. Die Fortissimo-Orchesterstellen kommen mit voller Breitseite. Oooochhh, die träge Hauptthema-Hornfanfare, vom neckischen Klavier umspielt. Wunderschön. Die Durchführung ist Barenboims beste Periode. Aber es gibt auch zähe Passagen. Und den vollgriffigen Passagen fehlen Wucht und Schärfe.

Es folgt ein erregendes Allegro appassionato und ein 3. Satz, der runtergeht wie Scotch Whisky, trotz zu breitem Cello-Solo und schlampigen, wenn auch genial schlampigen Stellen. Trotzdem, das hat die Aura von Supermusik. Ich höre einen geistreichen Einstieg der Staatskapelle ins Finale, auf dem Fuße gefolgt von beschwingten Streicherschleifen. Verantwortlich ist Dudamel. Das ist alles sehr hörenswert. Barenboim spielt auf ähnlichem Niveau. Die beiden gestatten sich walrossgroße Tempo-Freiheiten. Mit anderen Worten, die beiden verstehen sich.

Ein abwechslungsreicher, stellenweise hochkarätiger Abend. Schwächen waren Barenboims – recht lange – fingertechnische Eingewöhnungsphase und Dudamels schwächerer erster Satz aus op. 15.

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