Unsuk Chins Cellokonzert ist ein, naja, interessanter Beitrag zum Solokonzertrepertoire. Die Zutaten dieses Konzerts sind ein selbstbewusster Part für den Solisten, ein verwirrend transparentes Orchester – große Streicherbesetzung, vielgestaltige Schlagzeuggruppe -, sowie die vertraute Viersätzigkeit. Es gibt überfallartige Crescendi und verstörende Diminuendi. Der Klang des Konzerts ist klar, die Instrumentierung bei allem großen Apparat sparsam, die Architektur fantasievoll. Alban Gerhardt genügt den Anforderungen, die das Stück stellt, und spielt mit hellem Ton.

Das Konzert Unsuk Chins steht nicht nur programmtechnisch im Zentrum.

Die Freischützouvertüre dirigiert Myung-Whun Chung eifrig-exakt als gelockerte Bilderfolge. Das Stück entbehrt der Faszination, die es in jeder noch so unvollkommenen Opernaufführung besitzt. Die einzige Rechtfertigung, Ouvertüren in Konzertprogramme aufzunehmen, sind jene Leute, die mit Geschenk-Abo gerne, aber ohne nie in die Oper gehen.

Brahms zweite Sinfonie erklingt vier Monate, bevor sie in Simon Rattles Programm erneut auftaucht. Die Wiedergabe Myung-Whun Chungs spart nicht an warmem Glanz, erreicht jedoch nicht den konzentrierten Klang, den man von Rattles – im übrigen schweineteuren – Brahmszyklus im September erwarten darf. Die Meriten dieser Brahms 2. liegen in der sensiblen Linearität der Interpretation. Die Geigen agieren dezidiert feinsinnig. Emmanuel Pahud (Flöte) streut unnachahmlich Themen-umschlenkernde Figurationen ein (Allegro non troppo).

Die Philharmoniker spielen, selten genug, ohne einen ersten Konzertmeister. Andreas Buschatz sitzt vorne an der Ecke. Keiner der Solo-Oboisten ist anwesend, dafür eine blonde Dame. Kein Solo-Hornist, dafür ein dunkelhaariger Herr, der die Solostellen des zweiten Satzes nicht klangsatt, nicht überreich flutend wie Stefan Dohr, doch mit klugem Diminuendo bläst. Die heute Abend fehlenden Philharmoniker mögen nach den mühsamen Baden-Badener Tagen ruhebedürftig sein. Alexander von Puttkamer Tuba – das hatte ich gar nicht im Kopf, dass die 2. Brahms mit Tuba ist.

Advertisements