Aussage Nr. 1

Mitsuko Uchida kann’s einfach. Der erste Satz aus Mozarts Klavierkonzert KV 456, der voll intelligenter Reflexe ist, hat durchgängig hohes Niveau. Die Interpretation durch die Handvoll Philharmoniker entzückt ganz und gar. Der zweite Satz leidet an einer Vorliebe für übermäßige Feinsinnigkeit.

Aussage Nr. 2

Messiaens Oiseaux exotiques klingen, trotz differenzierter Technik, nicht mehr ganz farbecht. Hätte ein zeitgenössischer Komponist dieses Stück geschrieben, ich hätte geseufzt: Ey, Post-Impressionismus, que me veux-tu?

Aussage Nr. 3

Simon Rattles „Haydn-Pasticcio“

Einige der Musiken für Flötenuhren erklingen zu lassen, ist wohl kaum „so ein hirnrissiger Spaß“, wie die Dame neben mir mit Wilmersdorfer Akzent meint. Liebe Wilmersdorferinnen, ganz im Ernst, ist nicht jedes Konzertprogramm, mal grundsätzlich gesprochen, ein hirnrissiger Spaß? Jedenfalls schien das Konzert als Auswahl von zehn Haydnstücken als Formidee neu und aufregend. Haydns „konstruktive Zucht“ – Achtung, Adorno-Keyword – kommt nicht zu kurz.

Einige Interpretationen waren exemplarisch, besonders die aus Jahreszeiten, Sieben Worten und Schöpfung. Das abschließende Finale aus Nr. 90 hat wilden Impuls.

Der real nachgespielte Gag der Abschiedssinfonie rührt kurzzeitig nicht weniger als das Finale aus Figaro, oder, in Churchills Worten, A Joke is a very serious thing. Der Gag der Sechzigsten hätte, räusper, von mir kommen können, siehe meinen Bericht über die geheimen Proben der Philharmoniker. Aber das nur am Rande.

Stefan Schweigert Fagott, Wenzel Fuchs Klarinette. Pahud Flöte.

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