Tout Berlin, zumindest das, das Strauss von Strauß unterscheidet, ist da.

Christian Thielemann dirigiert die Sächsische Staatskapelle. Der Klang ist breit, das Tempo dennoch zügig. Die Spitzenstellen besitzen saftige Massivität. Häufige kurze Blicke Thielemanns in die Partitur. Alles wunderbar sicher dirigiert. Die Staatskapelle hat traumhafte Momente. Die typische Thielemann-Haltung bei leisen Stellen: ein Bein vorne, Oberkörper zurückgelehnt. Elektra geht auch kaltblütiger, aber so war’s auch prima.

Evelyn Herlitzius: Das Hauptmerkmal ihrer Stimme ist Kühnheit. Sie besitzt wahre Spontaneität. Ihre Höhe klingt latent hysterisch. Sehr gut. Ihr Vibrato, das hart am fiebrigen Flackern sein kann, hält sie durch überlegte Phrasierung in Schach. Herlitzius schont sich bei Spitzentönen für die Finalszene, die beeindruckend gelingt. Besonders offen singt sie die tiefen Brusttöne („AllAAIIn. Weh ganz allein“, „TOOOchter meiner Muttääär“).

Anne Schwanewilms weicher, reicher und müheloser Sopran produziert besonders attraktive silbrige, leicht verhangene Töne. Ich äußere ein genießerisches Mmmhh. Von Timbre und Textur her ist es eine astreine Straussstimme.

Waltraud Meier scharf und aufregend die Spitzentöne. Sonst mangelt es ihr, vor einigen Jahren die Staatsopern-Isolde und -Kundry meiner Träume, inzwischen an Kraft und Deutlichkeit.

René Pape leiht dem Orest seinen noblen Bartion von wahrhaft schrankgroßem Volumen. Mein Gedanke, wann immer ich diese außergewöhnliche Stimme höre: Die Akzente könnten lebendiger sein.

Frank van Aken ist Aegisth, eine Luxusbesetzung. Hübsch, wie er aufs Podium stolpert.

Eine konzertante Aufführung betont die detailreich zerklüftete Monumentalität der Partitur. Aber auch der dekorative Expressionismus der Elektra ist so spürbarer.

Anhaltende Bravos. Scheinbar nicht ganz ausverkauft. Eva-Maria Westbroek, morgen Katja Kabanowa unter Rattle, sitzt im Parkett.

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