Strawinskys Suiten Nr. 1 und 2.  – sehr schön. Das ist Musik, die keine Kommunikationsbarrieren aufbaut. Sie huldigt hier einem angeschrägten Dadaismus, dort einem zärtlichen Kubismus. Das Ganze kommt mit einer Bombeninstrumentation. Das bunte, disziplinierte Orchester wiegt noch jeden Bruckner auf.

Gustavo Dudamel dirigert.

Beethoven.

Die 4. Sinfonie ist ein Werk, das nicht die theatralischen Neigungen der vorangehenden und folgenden Sinfonie besitzt.

Das Orchester, äh der Klang besitzt un-rattle’sche Lockerheit.

Die Einleitung (Adagio) fließt zäh wie Rübenkraut. Das wie eh und je un-adagiohafte – die Myriaden von Figurationen, die es hier auf engstem Raum gibt –  Adagio ist unter Dudamel  locker gebaut. Ottensamer (Klarinette) baut ein berückendes Cantabile – unter der Fuchtel einer Pianissimo- bzw. Pianovorschrift – ein.  Das Finale exekutiert Dudamel pointillistisch, aber straff. Ein Vergnügen ist wie immer die hoppelnde Sechzehntel-Fagottstelle, die der Solist makellos hinlegt. Ja, im Finale gibt es offenen Klang und Wucht. Die einsame Violin- und Fagottepisode der Coda bremst Dudamel auf locker entspanntes Tempo runter. Das ist mir zuviel.

Schubert. Ein romantisch (Timbre! Melos!) frisierter Mozart. Ja, es gibt eine oberflächliche Ähnlichkeit mit Mozart. Der Beginn des Finales klingt  wie eine Ouvertüre zu einer deutschen romantischen Oper. Sie merken schon, ich höre die 4. von Schubert zum ersten Mal. Schuberts Vierte besitzt jene spektakuläre, doch etwas ermüdende Art zu modulieren, die manche Komponisten der Nach-Napoleon-Jahre bevorzugen. Der Masterplan ist von Mozart, die Noten sind von Schubert.

Was soll ich sagen? Mein Favorit der Rubrik „Dudamel in Berlin“ ist nach wie vor jene Beethoven-Siebte, die Dudamel mit der Staatskapelle im Konzerthaus machte. Zudem hörte schon deutlich spannenderen Beethoven in letzter Zeit, beispielsweise Nelsons Dritte mit der Staatskapelle. Ja, und Rattles Siebte.

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