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Simon Rattle dirigiert.

Auftakt zum Rattle-Ring an der Deutschen Oper Berlin.

Na, das Orchester klingt doch doppelt so aufregend wie bei Runnicles‘ Wagner. Oh Wunder, es gibt keine groben Schnitzer des Blechs, eigentlich überhaupt keine, wenn ich richtig gehört habe. Drohte Rattle bei Verblasern, vor der nächsten Probe das Blech 20 Mal God save the Queen spielen zu lassen?

Der Beginn über dem Es-Dur-Teppich des Blechs (der übrigens nicht allzu elegant gewebt war) straff und unmystisch, doch mit Zug und Richtung. Ich dachte mehr an einen Sommermorgen in der Uckermark als an den Weltbeginn am Rheinufer. Die auf- und absteigenden Streicherskalen wunderschön lebendig.

Hervorragend sind Flüssigkeit und Klarheit der Rheintöchterszene. Etwas unsensibel das Rheingoldmotiv in den Trompeten, zuletzt – kurz vorm Fluch Alberichs – dann aber wieder frisch und transparent. Die Verwandlungsmusik zur 2. Szene hat etwas Pragmatisches. Ihr Wert liegt im wunderbar gelungenen Drängenden. Die Verwandlungsmusik zur 3. Szene gelingt plastisch und konsequent. Das Orchester spielt mit kaum gehörter Lebhaftigkeit und Genauigkeit, als da ist die Stelle, in der Loge das plötzliche Altern der Götter kommentiert. Ein, zwei Mal lässt Rattle die Orchesterflammen aufschießen.

Rattle geht das Rheingold als locker gefügtes Vorspiel an. So verweilt die Aufmerksamkeit gerne auf ständig sich ändernden Strukturen – ganz anders vor ein paar Jahren in der Philharmonie mit den Philharmonikern.

Mäßig rasche 2:25 Stunden.

Das durchgängig gute Ensemble profitiert von sehr guter sprachlicher Artikulation. Das war beim Barenboim-Ring im Frühjahr bekanntlich anders.

Wotan Markus Brück ist stimmlich recht klein dimensioniert. Brück verfügt über kein sonores Fundament. Kaum verströmender Ton. Trockenes Timbre. Einige sehr gute Stellen, wenn’s  um große stimmliche Expansion geht. Klingt manchmal wie ein Hans Sachs ohne Flieder und ohne Eva.

Loge ist Burkhard Ulrich. Mit typisch enger, schmaler, heller Loge-Stimme, wobei die Stimmfarbe individueller sein könnte. E’s klingen wie Ä’s („das Gold dem Wassär wiedär gäbäst“). Keine Ahnung habe ich übrigens, was „gebest“ heißen soll.
Dem Alberich Eric Owens fehlen mitunter tonale Power und konzentrierter Ton. Aber sehnig, voller Einsatzbereitschaft. Sehr sicher im sprachähnlichen Gesang, mit intensiven Momenten („Niemand sieht mich, wenn er mich sucht“). Das gilt ziemlich genau für den Mime von Peter Maus. Owens und Maus bringen ernsthaft Leben in die Bude.

Prima kommt das Damen-Trio weg.
Doris Soffel ist die einzige großartige Stimme unter sehr guten Stimmen. Eine prachtvolle Fricka-Stimme von unmittelbarer Autorität. Soffel  bekommt pausenlos Momente großer Eindrücklichkeit hin. Sie bietet eine gute Mischung aus Affekt, Persönlichkeit und Stimmschönheit. Na, da sind doch mal Kraft, Klang, Erfahrung, Ausdruck in einer Stimme vereint. Sehr interessantes, etwas unregelmäßiges Vibrato. Ein Genuss sind die vibrierenden, klangintensiven Piani. Doris Soffel biegt die Tonhöhen gerne ein bissl rauf oder runter. Die Färbung nenne ich mal reif. Konzentrierter Obertonreichtum. Die einzige Stimme heute Abend mit großen klanglichen Ressourcen.
Freia Martina Welschenbach singt mit ihrer kleineren Stimme leicht und schön.
Erda Dana Beth Miller tritt mit knappem Hütchen auf, eine faszinierende, reiche Mezzostimme.

Das Publikum applaudiert dem Loge Burkhard Ulrichs am lautesten.

Donner ist Juha Uusitalo, Froh Thomas Blondelle. Die Riesen singen Reinhard Hagen (Fasolt) und Tobias Kehrer (Fafner, kraftvoll). Die Rheintöchter (teilweise etwas drall im Glitzerbody): Siobhan Stagg (Woglinde, schnell schwingendes Vibrato, jugendlich schimmernder Sopran), Christina Sidak (Wellgunde, deutliches Vibrato, heftige Akzente, kraftvoll) und Okka von der Damerau (Flosshilde, unstet und farbreich).

Die bekanntesten Rheingold Leitmotive finden Sie unter dem Link.

Zu Götz Friedrichs Inszenierung morgen mehr.

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