Musikfest Nr. 4

Das Musikfest bislang: ein fesches Heldenleben von Honeck. Dann ein mühevoller Abend mit dem Mahler Chamber Orchestra. Dann das Concertgebouworkest, das unter dem soften Gatti Perfektion auf Berliner Niveau liefert. Heute Mariss Jansons mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

Die Wurzeln von Lutosławskis Konzert für Orchester dürften wohl bis ins Paris der 1910er Jahre zurückreichen. Der wahllose Einsatz von Massivität steht einer positiven im Wege, wie ich meine. Wenn auch die Forschheit Lutosławskis bei diesem Frühwerk fasziniert. Zudem klang das Stück unter Honeck im Januar am gleichen Ort besser. Einige Anmerkungen zum Orchester. Die Geigen besitzen nicht die Schärfe, die Bässe nicht den Punch, die Bratschen nicht die baritonale Gurgel der Berliner Philharmoniker. Die Streicher bleiben im wogenden Tutti blass, es gibt verwischte Details in der Totalen. Auffällig ist auch, wie die Bläser sich dem Verlauf einordnen. Der Klang ist trockener. Details werden eingebunden, nicht ausgestellt.

Bartóks Konzert für Orchester

Bartóks Freude an prägnanten Themen liegen der Disposition und den Fähigkeiten des Orchesters offensichtlich mehr. Die Interpretation glückt, nicht nur aufgrund des schlagkräftigem Tuttis, der famosen neusachlich geschnittenen Fanfaren. Der zweite Satz fällt mit pointierten Bläsersoli auf. Die einleitende kleine Trommel habe ich noch nie so laut gehört. Mein Lieblingssatz ist der vierte, vielleicht der beste des Abends. Ganz leicht beschleunigt, es gibt da eine hervorragende Flüssigkeit der Flötenstellen, und dann kommen auch noch die zwei hochplastische Posaunenglissandi. Enorm ist dann die Klarheit und Folgerichtigkeit der Till-Eulenspiegel-Episode. Formzucht nannte Adorno so was. Fünfter Satz: Der wirbelnde Beginn ist etwas undeutlich. Und der Fugatoabschnitt scheint mir relativ uniform – an den Streichern liegt’s. Aber auch hier ist das Tempo glänzend gewählt. Glänzend wird vom Orchester auch die kompakte Heftigkeit der Kulminationsstellen gestaltet.

Das alles ist Mariss‘ Jansons Verdienst.

43 Minuten für Bartóks Konzert.

Die Zugabe: ein 80-sekündiger Knallfrosch. Es ist der Marsch aus Prokofjews Die Liebe zu den drei Orangen. Sehr schöne Tempoverschärfung. Und entfesselte Trompeten bei der Rückkehr des Themas.

Mariss Jansons zusehen – immer ein Genuss. Typisch für ihn sind das Zurückbiegen und Tänzeln, die heftig auffordernden kreisenden Arme bei Expansionsstellen, das animierte Wippen, das leichte Vorlehnen auf zusammengestellten Beinen. Das Ansteuern wichtiger Stellen geschieht oft durch leichtes Ducken und gleichzeitiges Ausstellen der Arme bei weit geöffnetem Blick.

Pierre-Laurent Aimard war mal wieder in der Philharmonie. Ich glaube, Thierse geht öfters in die Philharmonie als ich.

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