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Die Bayreuther Fanfare bläst.

Rheingold-Premiere, BR, live.

Kirill Petrenko dirigiert. Es singt ein sehr gutes, wenn auch nicht überragendes Ensemble. Frank Castorf Regie.

Das Vorgeplänkel bestreitet das Rheintöchter-Geschwader, bestehend aus den üppigen Blondinen Mirella Hagen (Woglinde), Julia Rutigliano (Wellgunde), Okka von der Damerau (Floßhilde).

Wolfgang Koch (in schickem Pink) und Claudia Mahnke (eine in Messing flimmernde Blondine) bilden dasgöttliche Ehepaar. Die Leistung des Wotan befriedigt nur teilweise. Positiv ist die wache, gestische Kunst der Wortausdeutung, negativ die Statur von Stimme (trockenes Timbre, unflexibles Vibrato, vokal raues Agieren, fehlende Fülle). Beachtenswert doch Kochs trocken-wuchtige Autorität. Claudia Mahnkes Mezzo scheu schimmernd bei „Taugte wohl des goldnen Tands“ und „Wehe! Wehe! Was ist geschehen?“

Martin Winkler singt Alberich, plastisch und gespannt. Bewunderungswürdig klar und mit charakteristisch timbrierter Höhe. Großartig manches, etwa „O schändliche Schmach, dass die scheuen Knechte“. In der Fluchsequenz hörbare Rauigkeiten. Heftigen Einsatz und spröde Kantabilität bietet der in einem feuerroten Anzug steckende Loge von Norbert Ernst.

Der Fasolt von Günther Groissböck hat Ehre im Leib und Baritonbalsam in der Kehle. Der Froh Lothar Odinius‘ sorgsam und wohllautend.

Das Beste lag in der 3. und 4. Szene, in der die Gemüter sich erhitzen und die Stimmträger Hass- und Verschlagenheits-Kanonaden abfeuern. Hier ist der Ring ganz bei sich selbst. Ist schon cool, wie die drei ordinär rumfläzen.

Die weiteren Rollen: Oleksandr Pushniak (Donner), Elisabet Strid (Freia), Nadine Weissmann (Erda), Burkhard Ulrich (Mime), Sorin Coliban als Bud Spencer-Double im Blaumann (Fafner).

Kirill Petrenko ist verantwortlich für eine gute Premierenleistung.

Das Festspielorchester musiziert warm, rhythmisch hitzig, überaus farbenreich. Das Motivgewusel hat Luft zum Atmen, alles hat Zug, Bogen und Richtung. Ein klassischer Fall von Passt, wackelt und hat Luft. Es klingt. Das flüssige, teilweise überraschend gute Tempo dürfte Bayreuthbesucherinnen, deren Männer Vorstände oder Vorsitzende sind, entgegenkommen. Die Bläser machen jedem bundesweinprämiertem Wein Ehre: vollmundiger Körper, langer Abgang. Das passt prima fürs Rheingold. Mal sehen, ob Petrenkos Zugang das Richtige für die karge Götterdämmerung ist.

Petrenko legt die Mendelssohn-Wurzeln der Rheintöchtermotivik frei. Immer wieder erhebend ist der geniale Übergang von der 1. zur 2. Szene: Entsagungsmotiv, Ringmotiv, Walhallmotiv. Letzteres mit pompöser Gelassenheit in den Hörnern anhebend.

Frank Castorf führt Regie. Das Bühnenbild ist von Aleksandar Denić. Die Inszenierung setzt auf Video-Bespiegelung, Strizzi-Optik, Texas-Feeling und Öl-haltige Leitmotivik.

Jubel für Sänger, Sängerinnen und Dirigent. Gut trainierte Buhs für das Regieteam um Frank Castorf.

Eleonore Büning im Anschluss: „Es war auf jeden Fall keine Sekunde langweilig, weil, es war immer was los. Ich komm jetzt frisch raus. Ich kann jetzt nur sagen, wenn ich mich nicht gelangweilt habe, keine Sekunde, dann war das wohl nicht ganz verkehrt.“ So, und jetzt noch Büning zu Petrenko: „Aber sonst war das für ein Ring-Debüt in Bayreuth, war das einfach sensationell.“ Naja, würde vorsichtiger formulieren, aber wie gesagt, ganz gut.

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