Es ist ein Elend mit dem Winter. Der diesjährige Berliner Winter ist nicht nur unbarmherzig und unhöflich, sondern außerdem vollständig überflüssig, zumindest in seiner jetzigen Spätphase. Typisch ist, dass der Berliner Winter auf dem Potsdamer Platz am unangenehmsten ist, und nicht etwa in Pankow, in Lichterfelde oder im Grunewald.

Lisa Batiashvili. Sie spielt auf der Stradivari Joseph Joachims. Aus der holt Frau Batiashvili unten rum einen großen, dunkel vibrierenden Ton. Manchmal beginnt Batiashvilis Brahmskonzert zu schwimmen wie Kindheitserinnerungen: Sommerhitze, und die Luft flimmert. Das können wenige. Ihr liegt das Pathos weniger. Lyrik liegt ihr. Ihr vor Weichheit vibrierendes Dolce ist sehr hörenswert. Äußerst reizvoll ist auch die leichte, nervöse Süße des 2. Themas. Doch der Einsatz des 3. Themas gerät zu nervös. Die folgenden skalierten Sechzehntelpassagen sind sehr unstet und nervös. Wundervoll der wiederum folgende Espressivo-Soloeinsatz. Die Kadenz, Höhepunkt bei Anne-Sophie Mutter, war erst bei den Trillerpassagen fesselnd.

Das Adagio klingt bei Lisa Batiashvili nach Bierchen zischen: zu leichtgewichtig. Mag sein, dass Brahms der Staatskapelle einen Ticken weniger liegt als Schumann. Das Orchester klang engagiert, doch ein bisserl rustikal. Das Tempo im Brahms Violinkonzert ist etwas schneller als letztes Jahr mit Anne-Sophie Mutter.

Lisa Batiashvili besitzt ein messerscharfes Gesicht unter kräftigem Pony. Das hochgesteckte Haar springt heftig auf und ab. Barenboim ist inzwischen wieder gesünder, doch noch nicht gesund. Er stützt sich unauffällig aufs Geländer. Doch es geht ihm besser: Er lächelt beim Weg ins Künstlerzimmer wieder ins Publikum. Er plauscht wieder mit Konzertmeister Batzdorf. Er zerlegt wieder das Rosensträußerl und verteilt dessen Einzelteile unter die Musiker, die in der ersten Reihe sitzen. Nach Les Préludes fängt er selber an, dem Orchester zuzuklatschen, wohl um die feierliche Stille zu brechen.

Denn das Beste waren Les Préludes, die Thielemann im Dezember mit den Philharmonikern dröhnender, aber nicht wärmer spielte. Die Staatskapelle investiert Schmiss & Wärme. Barenboim lässt Les Préludes mit souveräner Lockerheit über die Klinge springen. Ein Vergnügen. Alban Bergs Drei Orchesterstücke haben die schlanke Klassizität von Beethovens Erster. Die schlanke Klassizität erweiterte die Staatskapelle Berlin um einen warmleuchtenden Flow, den das Orchester womöglich seit der letztjährigen Lulu drauf hat.

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