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Simon Rattle, wie wir ihn kennen und lieben // Foto: Funkenmariechen / karnevalmitdenphilharmonikern.de

Besondere Umstände machten es erstmals möglich, bei streng geheimen Proben der Berliner Philharmoniker zugegen zu sein. Die Philharmoniker probten in der Philharmonie die bekannte Sinfonie Nr. 5 von Ludwig van Beethoven. Lesen Sie sensationelle Enthüllungen über die geheimsten Proben der Philharmoniker. Am Pult: Chefdirigent Sir Simon Rattle. Auf dem Podium sitzen die nicht nur in Berlin sehr geschätzten und bekannten Berliner Philharmoniker. Dieser Bericht ist ganz bestimmt kein Faschingsscherz! Und da kommt auch schon Herr Rattle.

Hinweis: Aus Gründen der besseren Verständlichkeit wurde der stellenweise schwer verständliche Dialekt, der bei den geheimen Proben anscheinend üblich ist, an mehreren Stellen geglättet und lesbarer gemacht.

10.01 Uhr

Rattle:    (eilt rein) Ey, wat jeht ab?
Braunstein: Allet in Butter, Chef.
Rattle:   Habt ihr fleißig geübt?
Braunstein: Klar, Chef.
Rattle:   Prima. Dann könn wa! Ladies ’n Gentlemen! (Breitet die Arme aus, senkt den Blick)
Rattle:   (Stirnrunzelnd über die Partitur gebeugt) Wat’n ditte?
Braunstein: (fragender Blick) Hä?
Rattle:  Na, wat’n ditte für’n Dings da… Guy, hilf ma.
Braunstein: Wat, Chef?
Rattle:   Wat’n ditte für ’ne Tonart?
Braunstein: (runzelt die Stin) Hmm. (Zu Stabrawa) He, Daniel. Sag auch ma was!
Stabrawa: Hmmm. Könnte C-Dur sein.
Mitglied der Orchesterakademie: (hebt schüchtern die Hand) Ich weiß es.
Rattle: (freundlich) Ja?
Mitglied der Orchesterakademie: Dit is c-Moll.
Rattle:   (kratzt sich) Hast Recht, c-Moll. (Anerkennend) Ey, aus dir wird noch was.
Mitglied der Orchesterakademie: (errötet) Danke!
Orchester: Allgemeines Schulterklopfen und Gratulationen für das Mitglied der Orchesterakademie.
Saksala: Heißt ja auch, wart ma… (liest ab) „Sinfonie c-Moll“.
McDonald: Klar, c-Moll, seh ick ooch so.
Rattle:   (kratzt sich am Kopf) Hätt ick ooch selbst draufkommen können, wa?
Braunstein: (aufmunternd) Nö, is schon OK.

10.19 Uhr

Rattle:   Dann aba ma los! (Bringt sich in Stellung) Ladies ’n Gentlemen, Takt 1 bidde.
Widzyk: Chef.
Rattle: (hält inne) Janusz, wat isn?
Widzyk: Warum isn ditte jetzt c-Moll?
Rattle: Na is doch klar warum. Ähh… (kratzt sich) Janusz, ditt is echt ne jute Frage. Janne, sag ooch ma wat.
Saksala: Hmmm…
McDonald: Steht doch vorne uffn Noten druff, „c-Moll“.
Saksala: Sach ich doch.
Rattle: Ja, aba ditt is nich der Grund, warum et c-Moll is, dit is nur die Folge, kapierste? Ey, Janusz, warum willsn dit ooch so jans jenau wissen? Ditt is doch Jacke wie Hose, oda? Wir spieln dit jetzt einfach und Schluss is.
Langlamet: (hebt die Hand) Ick wees et.
Rattle: Wat?
Langlamet: Warum ditt c-Moll is und nich C-Dur.
Rattle: Supa! Sin wa nu n absolutes Spidzenorkästa oder nich? (Reibt sich die Hände) Wusst ick doch, dass ditt hier eener weiß. Ick bin jans Ohr, Marie-Pierre!
Langlamet: Also. Dit verhält sich nämlich so. Dit Stück fängt mit nem G an und dann kommt noch n G und noch n G und dann jehts mit nem Es weiter. Also ick find, ditt sieht jans aus wie c-Moll.
Helleur: Dit wird mir aba jetzt zu schwierig.
Brandl: Also mir ooch.
Rattle: Seid Mal still, Rachel und Wolfram. Die Marie-Pierre möcht wat Wichtijet sagen.
Langlamet: Und deswegen is ditte c-Moll.
Rattle:  Echt supa erklärt, Marie-Pierre. Hab ick doch gleich jewusst, dass dit sonnenklar is, warum dit c-Moll is.
Caruzzo: (dreht sich zu Langlamet um) Jut jemacht, Marie-Pierre.
Langlamet: (gerührt) Danke, Madeleine!
Rattle:   Jipt et noch Frajn?
Braunstein: (guckt sich um) Nö.

10.49 Uhr

Fuchs:  (haut Pahud mit der Klarinette über den Kopf)
Pahud: Aua.
Rattle:  (mit einem Anflug von Ärger) Wat’n nu schon wieder?
Pahud: Wenzel hat mir eins über die Rübe gegeben.
Fuchs: (trotzig) Stimmt.
Rattle: (entrüstet) Ey, Wenzel, bis du bekloppt, oder was?
Fuchs: Ey, Simon, keiner hört mich, wenn ick spiel. Die blöde Flöte vom Emmanuel is viel zu laut.
Pahud: Ick bin ja nich zu laut.
Rattle: Nu ma sachte, Wenzel. Ick hör dir, wenn du spielst, dit reicht. Kapierste? Jetzt müssen wir aba ma jans flott in die Puschen kommen. Ladies, Gentlemen, Takt 1 (hebt energisch die Arme)
Seegers: (haut Fuchs mit dem Paukenschlägel eins über)
Fuchs: Aua.
Rattle: Wat’n nu schon wieder?
Seegers: Ich hab dem Wenzel eins übergebraten.
Rattle: Überje-wat?
Seegers: Übergebraten.
Rattle: Warum dat’n nu schon wieder?
Seegers: Ich mags nicht, wenn man dem Emmanuel eins über den Kopf gibt.
Rattle: Papperlapapp. Wir sind doch kein Kindergarten. Und sach ma, kannse nich berlinern wie alle anderen ooch. Dit nervt mich total, wenn du nich berlinerst.
Seegers: Ich komm auch nicht aus Steglitz oder Pankow.
Rattle: Ey, guck mich an. Seh ick etwa aus wie einer, der aus Neukölln kommt? Ick kanns doch ooch. Guck ma Kotowa an. Selbst Kotowa berlinert.
Machida: Klar berliner ick.
Rattle: Sach ich doch. Un nu, da alle Feindselichkeitn beseitigt sind, dann könn wa loslegen. Ladies ’n Gentlemen, dürft ick bitten? Takt 1 bidde! (stellt sich breitbeinig hin, konzentriert sich, öffnet den Mund)

11.03 Uhr

Fuchs: (trötender Ton)
Rattle: Wer war’n ditte?
Fuchs: (schwenkt seine zerbrochene Klarinette) Chef, die is kaputt.
Rattle: Gib ma!
Fuchs: (erhebt sich, geht vor, gibt Rattle die Klarinette)
Rattle: (bläst durch, trötender Ton) Jeht doch.
Fuchs: (skeptischer Blick auf sein Instrument) Na jut, Chef (trottet zurück)
Löhr: (stellt Fuchs ein Bein)
Fuchs: (fliegt hin)
Fuchs: (rappelt sich auf, stürzt sich auf Löhr)
Rattle: (Anflug von Ärger) Wenzel, Martin, Schluss! Ick gloob, ick spinn. Dit jippts doch jar nich. Wenn ick noch einmal wat Umbotmäßijes bemerk, dann proben wir ma jans locker n flottn Ligeti und nich n ollen Beethoven. Und nu, Ladies, Gentlemen, Takt 1, bidde (stellt sich noch breitbeiniger auf)
Quandt: Äh, Chef.
Rattle: (freundlich) Wat isn, Ludwig?
Quandt: Ick bin echt uffjeregt.
Rattle: (freundlich) Dit is nich schlimm. Da guckste imma jans jenau, was ick mach, un dann jeht dit schon. Oder haste nich jeübt?
Quandt: Icke? Klar hab ick jeübt.
Rattle: Siehste. Dit klappt schon. So! Ladies, Gentlemen! Jetzt jehts los.

11.24 Uhr

Grosz: (räuspert sich) Sir?
Rattle: Wat’n, Amihai?
Grosz: Martin muss mal.
Löhr: Ick muss gar nicht.
Rattle: Martin, musst du nu oder musst du nicht?
Löhr: Also ick muss nicht.
Grosz: Ick dachte, er muss mal.
Rattle: Amihai, Schluss mit den Faxen. Ladies, jetzt aba ma dalli! (postiert sich, hebt den rechten Arm)

11.29 Uhr

Braunstein: (schüchtern) Chef?
Rattle: (lässt den Arm sinken) Ey, Guy, wat’n nu schon wieder?
Braunstein: (höflich) Mein Stuhl wackelt.
Rattle: (freundlich) Dann hol dir’n neuen.
Machida: Meiner wackelt auch.
Rattle: Ey, Kotowa, dit gloob ick jetzt aba nich.
Machida: Wenn ick es aba sach.
Rattle: Mach ma keene Fisimatenten, Kotowa. Setz‘ dich einfach uff ne andere Ecke.
Machida: Manno.
Braunstein: (Kommt mit neuem Stuhl, setzt sich) Chef?
Rattle: Guy?
Braunstein: Funkioniert. (Bewegt sich hin und her) Wackelt nicht.
Rattle: Dann is ja jut.
Braunstein: (zu Machida) Psst!
Machida: (flüstert) Wat?
Braunstein: (flüstert) Guck ma! (holt einen zweiten Stuhl hinter seinem Rücken vor) Hab ick dir mitjebracht.
Machida: (flüstert) Oh Mann, dit is total nett von dir (setzt sich um).
Rattle: Ladies ’n Gentlemen. Bidde, Takt 1. (Reißt Augen und Mund auf und lässt die Rechte runtersausen)
Orchester: (spielt die ersten zwei Takte)

Rattle: (hört auf zu dirigieren) Ey, ick gloob, mir laust der Affe. Ditt jeht ab, wa?
Shimizu: (grinst) Ditt jeht echt ab, Chef.
Rattle: (gerührt) Ick hab euch alle jans lieb.
Braunstein: (grinst) Wir dich ooch, Chef.
Rattle: (wischt sich eine Träne weg) Un nu aba flott weiter, ihr Puschelchen. Ladies, Gentlemen, Takt 3, bidde.
Braunstein: (tippt mit dem Bogen auf seine Uhr) Chef, Probe ist rum.
Rattle: (irritiert) Wat?
Braunstein: Zeit ist um.
Rattle: Shit.
Stabrawa: Wird schon, Chef. Die C-Dur-Sinfonie könn wa ja auswendig.
McDonald: Ey Mann, is doch c-Moll.
Saksala: Klar, is c-Moll.
Stabrawa: Sach ich doch, c-Moll.
Rattle: Nu macht ma hier kein Aufstand wegen c-Moll und C-Dur. Hauptsache die Performance stimmt heut Abend, wa? Und wenn ihr einfach nich mehr weiter wisst, einfach gucken, wie ichs mach.

* Name der Redaktion bekannt

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