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Das neueste Late-Night-Konzertchen war nicht ganz so aufregend wie das letzte Late-Night-Konzert, aber im Vergleich zum unmittelbar vorangegangenen Philharmoniker-Konzert überaus befriedigend.

Simon Rattle ließ sich entschuldigen. HK Gruber leitete.

Kurt Weills kurze Stückchen hatten stratosphärisches Niveau, was den klaren, scharfen Orchestersatz anging. Gábor Tarkövi spielte eine bombenmäßige Sequenza X. Sein Ton ist zugleich objektiv und subjektiv, zugleich dunkel und hell, zugleich heiser und klar, zugleich verhalten und strahlend. HK Grubers Frankenstein!! – da Herr Gruber mehrmals auf die zwei Ausrufezeichen hinwies, setze ich sie hier – ist eine Angelegenheit, die sowohl schrecklich schön als auch schön schrecklich ist, und zwar haargenau da am schönsten ist, wo Stefan Dohr und Guillaume Jehl zusammenspielen, und genau da am schrecklichsten, wo die Verse von H. C. Artmann beschreiben, wie Frankenstein den Kaspar stopft.

Anwesend waren also auch Stefan Dohr, Stephan Koncz, Manfred Preis, Stefan Schweigert, den ich gar nicht richtig sehen konnte, Michael Hasel, Walter Seyfarth, Manfred Preis, Christhard Gössling und andere.

Stephan Koncz spielte irgendwann zwischen „Frankenstein“ und „Im Parke, wo die Unholde weilen“ ein herzerweichendes, hervorragendes Solo, von dem er selbst ganz mitgenommen schien. Koncz spielte auch im Wettstreit mit Dorian Xhoxhi diese auf- und abschlängelnden Gruberschen Girlanden – irgendwo bei „Grüsz Gott, Grüsz Gott, Herr Frankenstein“.

Stefan Dohr schwang seinen Wasserschlauch eindeutig mit der größten Vehemenz. Von Dohr können sich seine Kollegen noch etwas abschauen. Gott sei Dank hatte Stefan Dohr auch ein Solo – das man als entfernten Verwandten des Solos aus dem 4. Satz der Mahler-Neunten vom Herbst sozusagen wiedererkannte.

Zu Beginn erzählte Gruber mit Doderer’scher Breite, wie er und Rattle dazu kamen, Frankenstein!! uraufzuführen. Ohne die originale Fassung für großes Orchester zu kennen, vermute ich doch, dass die heute Abend gespielte Kammermusikfassung von Grubers Frankenstein-Musik effektiver und hörenswerter ist. Gruber dirigierte lässig (so lässig wäre Thielemann gerne) und prätentionslos (so wünschte ich würde Thielemann dirigieren). Gegen zwölf war das Konzert vorbei.

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