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Wenn die Berliner Philharmoniker darauf beharren, dass man sich mit Elgar beschäftigt, dann beschäftigt man sich halt mit Elgar. Donald Runnicles dirigiert diese Woche drei Mal Elgars erste Sinfonie, und 2012 kümmern sich die Philharmoniker unter Daniel Barenboim zuallererst um The Dream of Gerontius. Achtung, Elgar im Anmarsch! Besonders letzteres Öfre, wie der Berliner sagt, scheint insgesamt nicht ganz koscher, obwohl man es ehrlich gesagt noch nie gehört hat. Weder weiß man genau, wer Gerontius war, noch was er trieb, noch wie lang das Ganze ist. Auch dass Ben Heppner das Barenboim-Konzert abgesagt hat und dafür Ian Storey, der bewährte, wenn auch nicht verklärte Tristan der Staatsoper, einspringt, macht mich nicht im Handumdrehen zum Elgar-Freund. Aber es ist immerhin besser, im Dezember Elgar zu lauschen als nach Rattles erschöpfenden Mahlerzyklus weiterhin ungehemmt, pausenlos und stundenlang Mahler zu hören. Mahler hören ist immer so aufregend, und die Folgen, die Mahlerkonzerte im Alltagsleben haben, ähneln mitunter denen nach einem ausgiebigen Drogenkonsum.

Dabei war Elgars Cellokonzert, das Barenboim vor zwei Jahren mit den Berlinern und Alisa Weiserstein dirigierte, eine Schönheit von vorne bis hinten und von oben bis unten, und zudem eine Schönheit, die in der Mitte ein paar flatterhafte Anwandlungen hatte. Andererseits aber, um der Wahrheit die Ehre zu geben, blieb Edward Elgars Violinkonzert, das ein leicht effeminierter Gil Shaham vor einem oder zwei Jahren unter Zinman spielte, als eine etwas heikle und etwas längere und mithin typisch englische Angelegenheit in Erinnerung.

Mit dem Clou, Elgar im Berliner Winter zu spielen, haben die Philharmoniker womöglich im Sinn gehabt, die Berliner auf den milden britischen Winter neidisch werden zu lassen. Oder steckt hinter all dem doch ein patriotisch gesinnter Simon Rattle? Hmm. Und was dirigiert Rattle im März? Die Enigma-Variationen. Aha. Ich wette, Rattle hat über seinem Bett ein Elgar-Porträt hängen.

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