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Festtage 2010 EUGEN ONEGIN Daniel Barenboim Achim Freyer Anna Samuil Artur Rucinski Rolando Villazón René Pape Maria Gortsevskaya Margarita Nekrasova Stephan Rügamer

"Mann, typisch Regietheater! Lange schaff ick ditt nich' mehr mit dem Arme hochhalten..." Rolando Villazón als Lenski // Foto: Monika Rittershaus / staatsoper-berlin.de

Die zweite Vorstellung von Freyers Eugen Onegin, in dem es nichts, aber auch gar nichts zu lachen gibt. Für die Zuschauer, meine ich. Für die Zuhörer gab es etwas zu lachen, doch ehrlich gesagt erst nach der Pause. Zuvor trapste Rolando Villazón erneut gerade so durch den Lenski wie ein Blinder durch die Friedrichstraße samstags um halb vier. Ständig dachte ich: Rolando, ick hör dir trapsen. Die Pause verbrachte ich mit unguten Gedanken. Viele Österreicher und Münchener in den Wandelgängen. Doch dann geschah das Unerwartete: Villazóns ‚Kuda, kuda‘ hatte wieder Biss, die Stimme Kraft, Villazón gestaltete wieder und verwaltete nicht mehr (nämlich seine Stimmschlaglöcher). Es war wie eine Auferstehung. Noch etwas wackelig, doch ein deutliches Lebenszeichen. Beifall, auch die Orchestermusiker lächeln wie befreit. Seltsam: heute kam mir Freyers Brutalo-Kargheit vital und anregend vor, so dass ich aus dem Loch der Langweile, in das die Inszenierung mich am Freitag stürzte, munter wieder hinauskletterte.

Barenboim rückte heuer von der Feier der äußersten Kargheit, so am Freitag zelebriert, etwas ab. Die Staatskapelle spielte um weniges lauter. Stellenweise jedoch von bis zum Äußersten gesteigerter Behutsamkeit. Erwähnenswert in dieser Hinsicht insbesondere die von unverhohlenster Traurigkeit und Zartheit sprechenden, aufsteigenden Streicherschlenzer der Greminarie (René Pape). Werde ich mich in zehn Jahren noch dran erinnern.

Die bemerkenswert inwendige Gebrochenheit, die Barenboims Onegin an den Festtagen hat, hat fast was Kammermusikalisches. Auch Pelléas et Melisande schien plötzlich nicht mehr fern. Rolando Villazón sang ein das Seelische bis auf den Grund offenelegendes ‚Ty menja ne liubish‘. Es erfüllte vollkommen die Anforderungen, die man gewöhnlich an etwas stellt, das herzerreißend ist. Auch daran werde ich mich erinnern.

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