Schlagwörter

Er kann's halt. Barenboim in Aktion // Foto: Monika Rittershaus / Quelle: staatsoper-berlin.de

Staatskapelle Berlin – Daniel Barenboim: Bruckner Sinfonie Nr. 8 Schönberg Überlebender aus Warschau

Kritik Daniel Barenboim. Er dirigierte Bruckners 8. Sinfonie. Der Beginn ist wie immer, wenn Barenboim die Staatskapelle Berlin dirigiert, etwas unkoordiniert und zentrifugal. Das Tempo ist gleitend und sehr beweglich. Erst der Durchbruch zur Coda ist bei Barenboim allerhöchstes Niveau, sozusagen schwerer sinfonischer, dynamischer Sturm. Der Eindruck ist, dass Barenboim das Allegro moderato im Stil einer Symphonischen Etüde nimmt, etwas improvisatorisch angehaucht sozusagen und sehr emphatisch. Das Des-Dur-Adagio gelang Barenboim überwältigend, die Massen bändigend und befreiend, stellenweise tränentreibend, vor allem wegen des drängend bewegten Blechs, der instinktiven Gestik der bis ins Äußerste lebhaften Holzbläsersoli, wegen des die Bewegungen der Motivstrukturen weitertragenden Atems der Streicher. Das Anschwellen und Abschwellen, der pure Prozess dieser Musik, das Auf- und Absteigen der Figurationen, die Kraft zur Vereinheitlichung über Phrasen und Abschnitte hinweg, die äußerste Konzentration ergaben die Form des Satzes. Wie öfter bei außerordentlichen Konzerten ist die Staatskapelle unter Barenboim von subtilster Sprachfähigkeit. Es gibt wirkungsvolle Generalpausen, die das Vorangegangene abbilden und den Raum für das Folgende schaffen. An reiner Musikalität, an lebhaftem musikalischem Instinkt ist Barenboim als Dirigent womöglich unübertroffen. Auch das Finale war eindrucksvoll. Heftiger Paukenwirbel unter dem ganzen Körpereinsatz des Paukisten, der zum Schlussakkord hinleitet. Barenboim dirigiert, als spiele er mit 40 Fingern Klavier. Die Souveränität Barenboims in der Kunst des rhapsodischen, kunstlosen Phrasierens ist bis in Details der Artikulation bei Solostellen präsent. Vor der Pause Schönbergs Überlebender aus Warschau, gesungen und gesprochen von Hanno Müller-Brachmann.

Advertisements