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Wiener Philharmoniker Christian Thielemann Beethoven Sinfonien Nr. 4 & 5

Vierte Sinfonie. Da spielen sie, die berühmten Wiener Philharmoniker. Sehr langsamer erster Satz. Die sinfonische Spannung ging mit dem Beginn des zweiten Themas des ersten Satzes flöten. Von diesem Zeitpunkt an beschäftigte ich mich nur noch mit den Besonderheiten des Orchesters und nicht mehr mit denen Beethovens. Die Kadenzen haben so viel Pepp wie die von Mozart Anno 1779, und überhaupt hat das Ganze wenig Struktur. Es gibt kein Wozu, kein Wohin, kein Weshalb. Der zweite Satz ist auch langsam, aber mit äußerster Sorgfalt für Phrasierung und Klangnuance hingelegt. Thielemanns Vierte klingt reichlich von oben herab. Mit dem ersten Satz hatte Rattle mit den Berlinern auch ein bisschen Probleme, aber Finale und Scherzo haute er grandios hin. Es gab ordentlichen Applaus für die Vierte, aber nicht mehr. Ich war einigermaßen enttäuscht. In der Pause: Bretzel und Absacker, um die Enttäuschung runterzuspülen und Mut für die Fünfte anzutrinken.

Fünfte Sinfonie. Die Wiener Philharmoniker spielen stellenweise schön. Auch hier war der zweite Satz der wertvollste. Die Fünfte von Rattle mit den Berlinern war bedeutend eindrucksvoller. Bei den Wienern schienen die Tempomodifikationen, die Christian Thielemann im ersten Satz anordnet, sehr gewöhnungsbedürftig. Während die Solooboe in der Reprise des Allegro con brio ihren Einsatz hat, knarrt ein Stuhl der Philharmoniker. Das Finale wirkt unglaubwürdig. Dass Uhrenhersteller Rolex die Tournee der Wiener Philharmoniker sponsort, merkt man schon daran, dass die Musiker pünktlich um 20 Uhr und null Sekunden auf das Podium strömen. Zugabe: eine herrliche Egmont-Ouvertüre.

Kritik Wiener Philharmoniker Berlin: ist noch Luft nach oben

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