Festtage 2010 Simon Boccanegra Daniel Barenboim Federico Tiezzi Andrzej Dobber Ferruccio Furlanetto Ailyn Perez Aquiles Machado Massimo Cavalletti Alexandr Vinogradov

Absagen, Absagen, Absagen: kein Plácido Domingo, kein Fabio Sartori, eine neue Amelia – Anja Harteros hätte sowieso nicht gesungen. Ich war kurz davor, in der Pause rauszugehen. Bei Andrzej Dobbers Simon Boccanegra höre ich bei jeder Silbe den Domingo vom Herbst mit. Der Unterschied zwischen Domingo Herbst 2009 und Dobber Festtage 2010 lässt sich nicht bemessen. Als Dobber sich achtbar durch den Simone sang, war ich pausenlos dabei, Domingos Stimme, ihren Klang und ihren Schmelz an den entsprechenden Stellen aus der Erinnerung zu rekonstruieren. Es war deprimierend. Ailyn Perez hatte einen grauenhaften Beginn, hätte sie so weitergesungen, wäre ein Buhkonzert sicher gewesen. Perez hat eine schöne Höhe, aber einen etwas zahnlosen Charakter, sie mag eine gute Stimme für Madame Butterfly oder Mimì haben. Tenor Aquiles Machado, der die ‚Brokatkugel‘ ablöste (so das Zeit-Feuiellton treffend zu Fabio Sartori) hat einige betörende Stellen, wirkt auf Dauer aber etwas fantasiearm. Ferruccio Furlanetto rettete das Festtage-Niveau.

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