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Musikfest Berlin 2009 London Symphony Orchestra Valeri Gergiev Tim Hugh Tistschenko Cellokonzert Nr. 1 Schostakowitsch Sinfonie Nr. 11

Die Streicher von der Themse ersticken nicht gerade an Temperament. Man sollte die Geiger vor dem Konzert Chilischoten essen lassen. Die vielbeschäftigte Bläserin des Englischhorns war gar nicht nach meinem Geschmack. Die Fagottistin fand ich besser, aber nicht gut. Schostakowitschs Elfte ist bis in die Spitzen der ohrenbetäubenden Orchestertutti sowjetisch. Sie ist redselig, geduldig und leidenschaftlich, und damit eine vermutlich gar nicht so umpassende Verkörperung des russischen Nationalcharakters. Valeri Gergiev (ohne Stab) gibt sparsame, exakte Zeichen. Die tropfenden Pizzicati dirigiert Gergiev mit einem elektrischen Zittern der rechten Hand, dessen Höhepunkt das Zeichen für den Einsatz bedeutet. Sehr eindrucksvoll. Die Musiker hängen an unsichtbaren Marionettenfäden an Gergievs Gesten. Dennoch scheint der Orchesterklang im Piano und auch noch im mittleren dynamischen Bereich einen Mangel an Trennschärfe aufzuweisen. Mit hinein spielt die nicht den Berlinern vergleichbare solistische Güte (Trompete, Hörnerchor, Flöte). Natürlich ist dies alles Kritik auf höchstem Niveau. Aber schließlich sind wir in der Philharmonie. Wenn das LSO nächstes Jahr kommt, sage ich: Ick wees, wie die klingen. Nich wie die Philharmoniker. Es ist ein hartes Brot, nach Philharmonikern, nach Concertgebouworkest, nach Chicago Symphony aufzutreten. Doch der Unterschied war deutlich. Nicht ausverkauft.

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