Schlagwörter

Musikfest Berlin 2008 London Symphony Orchestra Daniel Harding Boulez Messiaen Bruckner Sinfonie Nr. 4

Zwei Tage nach dem Concertgebouworkest aus Amsterdam kam das London Symphony Orchestra unter Daniel Harding in die Berliner Philharmonie. Daniel Harding ist jung, blond, schlaksig und pflegt einen ähnlich energischen Dirigierstil wie Gustavo Dudamel. Das London Symphony Orchestra bestätigte seinen Ruf, nicht das weltbeste Orchester, aber eines der fast weltbesten zu sein. Daniel Harding dirigierte Werke von Boulez, Messiaen und von Anton Bruckner, von letzterem die 4. Sinfonie. Man kennt Bruckner: es ist lang, und hört nicht auf. Harding meinte es besonders ernst mit der Länge und wählte die Version der 4. Sinfonie von 1874, die nun wirklich sehr lang ist und auch durch das enorme Tempo, das Daniel Harding vorlegte, nicht kürzer wurde. Aber es gab ja noch die Streicher. Die Streicher waren so packend und sensibel bei der Sache, dass man anfing zu glauben, die vielgeschmähte stiff upper lip käme doch eher aus Berlin als aus England. Wie Dudamel vor einem Jahr mit Beethoven hatte Harding mit Bruckner arge Probleme, was den langsamen Satz anging, den Harding mit einer fast London-haft zu nennender Hastigkeit zuerst außer Puste brachte, dann zu heftigem Japsen nötigte und somit zu guter Letzt den Garaus machte. Der Solohornist spielte im Scherzo phänomenal. Überhaupt das Spiel der Blechbläser: gepflegt, kontrolliert, wie englischer Rasen, dazu aber noch mit einer hübsch durchtriebenen Kultiviertheit. Die Streicher hätten mehr Temperament vertragen können.

Advertisements