Schlagwörter

Musikfest Berlin 2009 Concertgebouworkest Amsterdam Mariss Jansons Schnittke Ritual für Orchester Haydn Sinfonie Nr. 100 Schostakowitsch Sinfonie Nr. 10

Ausdrücklicher, respektvoller und anhaltender Applaus, während die Musiker das Podium füllen, der sich zu Herzlichkeit steigert, als die Streicher aus den beiden Künstlerzimmern kommen. Man fragt sich warum? Scheints haben die Berliner die Amsterdamer lieb gewonnen. Letztes Jahr war der Willkommensapplaus spärlicher. Da boten das RCO und Jansons eine problematische Dritte von Bruckner. Damals legte Simon Rattle die kalt lodernde Bruckner-Neunte nach. Auch dieses Jahr wurde ich auf höchstem Niveau enttäuscht. Das Programm versprach Großes. Doch Schnittkes Ritual für Orchester hielt nur im ersten Abschnitt hohes Niveau. Und Haydn ist wie Mozart in der Philharmonie stets heikel, da man an Bruckner und Strauss gewohnt ist, und war es auch an diesem windigen, herbstlichen, fünften September. Bei Haydn fehlten die Differenzierung des Piano und dramaturgische Finesse. Es gab Stellen durchtriebener Perfektion im letzten Satz, aber sie waren eher selten. Vielleicht fehlte schlichtweg Ernst.

Nach der Pause sehr guter Schostakowitsch. Doch es fällt auf. Etwas Aufwühlendes fehlt. Und das obwohl Jansons mit Schostakowitsch so vertraut sein dürfte wie Wolfram Siebeck mit einer Bratkartoffel. Die Tschechische Philharmonie kann das singender. Die großen St. Petersburger oder Moskauer Orchester pathetischer. Womöglich die Berliner packender. Der Soloklarinettist ist – womöglich – nicht ganz so gut wie der der Philharmoniker. Der Solohornist ist ein Zipfelchen entfernt von Radek Baborák. Der Solooboist ebenso von Albrecht Mayer. Oder doch nicht und ich bin nur ziemlich negativ eingestellt? Nur Details? Die übergroße rhythmische Präzision schafft fast der Durchhörbarkeit zu viel. Man verliert sich nicht in der Musik wie bei Rattle und Abbado. Der Klang ist eine makellose Orchesterleistung, doch unlabyrinthisch und ohne Versprechen, und ohne jenes Nachbeben, das von großen Interpretationen hervorgerufen wird. Das Publikum ist schier aus dem Häuschen. Zwei kolossal gute Zugaben mit Schostakowitsch (Walzer und aus Lady Macbeth). In einer Woche macht Rattle die Vierte von Schostakowitsch.

Advertisements