Schlagwörter

Puuhhh, Saison geschafft. Es ist Zeit für eine Rückschau.

Mahler Neunte in der Interpretation Rattles war nicht mehr zu überbieten. Seiji Ozawa bot betulichen Nachkarajanismus ohne Karajans Sinn für Struktur und Beweglichkeit. Brendel liefert erneut ein Konzert mit riesenhaften Qualitätssprüngen. Kissin entzückt (aber die Rubati nervten a bissl). Pollini glüht hinter einem Anschlag von Diamanthärte. Der Umzug des Duos Abbado & Pollini in die Waldbühne infolge Brand war eine Katastrophe. Eine wahrhafte Katastrophe. Man sollte den Berufsstand der Schweißer verbieten, besonders in Berlin. Und wenn sie schon auf Dächern herumturnen müssen, sollten sie aus eigener Tasche einen Feuerwehrmann bezahlen, der jeden ihrer Schritte beobachtet. Jansons dirigiert eine scharf geölte Orchestermaschine. Es fehlt in letzter, aber nur in allerletzter, Konsequenz Frei- und Feinheit. Bernard Haitink versäumt wieder den Sprung von der ordentlichen Darbietung zum Manifest. Herbert Blomstedt sprang für Harnoncourt ein, dessen Ausfall ungünstig war. Blomstedts Bruckner… mich würde Beethoven von ihm interessieren. Barenboim dirigierte zwei atmende Beethoven-Konzerte und eine dramatische Leonore. Rattles Beethoven-Zyklus? Die Dritte und Neunte gelangen makellos, Sinfonie Nr. 1 und 2 etwas drastisch und kurzatmig, die Achte schön gespannt, in den Binnensätze überhumorisiert, die Siebte schön und vielleicht etwas unausgeglichen, die Sechste vollkommen, doch ohne die Unruhe der melodischen Wärme. Die Kombination von Beethoven mit Anton von Webern ungewohnt, doch man hatte Gelegenheit, die Orchesterstücke in exzellenter Realisierung live zu hören. Die Besten: Rattle mit Vorsprung, dann Barenboim, dann Jansons. Normalerweise gehört dazu auch Abbado.

Advertisements