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Daniel Barenboim Harry Kupfer Waltraud Meier Ian Storey Matti Salminen Roman Trekel Reiner Goldberg Michaela Schuster

Kritik Waltraud Meier Tristan & Isolde. Umbesetzungsdomino: erst Ian Storey für Peter Seiffert, dann Waltraud Meier für Katarina Dalayman, dann am Tag der Aufführung Matti Salminen für Christof Fischesser. Harry Kupfers alte Inszenierung löst die erst zwei Jahre alte mit dem Bühnenbild von Herzog & de Meuron ab. Waltraud Meier klang vor eineinhalb Jahren präsenter – vielleicht wegen diesmaliger Überanstrengung infolge Reisetätigkeit oder Schnupfen. Doch selbst Meiers andeutungsweise verschnupftes „Wagst du zu höhnen“ schmälert die Erinnerung an messerscharfe, mit dem Nachzittern von in die Mitte von Zielscheiben geschossenen Pfeilen vergleichbaren Meier-Isolden nicht um den Hauch eines ihrer phänomenalen „T“s und „S“s, von denen man dann immer denkt, die deutsche Sprache sei eben für Wagner und Waltraud Meier so geschaffen worden. Immer wieder unvergessen und unvergesslich von ihr: „da du so sittsam, mein Herr Tristan“ – ein Höhepunkt des ganzen Tristan, wenn Waltraud Meier singt. Matti Salminen singt mit höchster Autorität und unanfechtbar Stimmkraft, da ist vokales Strömen auf das genaueste der Abfolge der Konsonanten und Vokale des Textes abgelauscht. Doch es war ein Gefühl da, und das Gefühl besagte, dass Matti Salminen sich in die Sätze Wagners lehnt wie in ein Polstersofa. Salminens Imposanz schnitt sich offensichtlich mit Barenboims beneidenswertem Laissez-Faire, dieser spezifischen Dynamik souveränen Strömens. Michaela Schuster (Brangäne), heuer ohne die ab und an zu große Bürde des Kundry-Porträts der letzten Saison feuerte großartige, schillernde Rufe im zweiten Akt ab. Ian Storey die positive Überraschung: durchaus idiomatisch, technisch weitgehend astrein, im dritten Akt noch zur Gänze hörenswert. Das Dirigat Barenboims lebte sich weniger aus als bei schon von ihm gehörten Tristans. Kritik: Es war eine Prise Müdigkeit in diesem Tristan. Vielleicht war es ja eine Prise Jet-Set-Müdigkeit. Es war de nomine eine Sternstunde, de facto eine mit ein bisserl Sternenstaub im Getriebe – oder Müdigkeit des Zuhörers.

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