Schlagwörter

Berliner Philharmoniker Simon Rattle: Berlioz Roméo et Juliette Beethoven Sinfonie Nr. 5 Strawinsky Agon

Mächtigen Schwung vom Podium gab es im September 2006 bei Beethoven Symphonie Nr. 5 letzter Satz. Das Finale schwingt Simon Rattle wie eine Keule. Man hört leider zehn Dvořak-Symphonien im Jahr und nur eine Beethoven-Symphonie. Beethoven ist bei Simon Rattle und den Berliner Philharmonikern schnell, schmutzig, wirr, massiv. Es ist Nachbrenner-Musik, ein Beethoven mit geballter Kraft, aber logisch und sinnvoll (das ist wichtig: logische Kraft). Eine skeptische Kritik kann hier kein Haar, aber einen ganzen Haarschopf in der Suppe finden. Oder ein Haar für einen ganzen Schopf halten. Rattle liegt nicht der stringente Weg von A nach B. Wahrscheinlich ist, dass er ihn nicht im besonderen Maße interessiert. Rattle macht aus der Sonatensatzlogik ein halsbrecherisches Wagnis, postanalytisch und von verwischter Klarheit.

Der Eindruck war von etwas Unvergleichlichem. Im ersten Satz der Fünften Symphonie war nicht mehr ganz logische Kraft, ein Tick Unverdautes war dabei Der zweite Satz klang wie Pflichtübung, Gallia est omnis divisa… Die langsamen Beethoven-Sätze (und Mozart-Sätze) scheinen schwieriger als Bartók und Schostakowitsch. Das Finale schoss heiß, unkoordiniert, das Orientierungsbedürfnis der Hörer verhöhnend daher. So viel Musik auf einen Haufen habe ich noch nie gehört. Wieder der Eindruck: sehr schnell vorbeigegangen, das Ganze. Aber explosiv in der Wirkung. Etwas, mit dem man nicht fertig wird. Das Beste war Strawinskys Agon. Simon Rattle dirigierte aberwitzig unverschmutzt im Klang, absolut trocken, Rattle der Souveränste der Souveränen (kleines Tristan-Zitat). Agon hat er zart und atemberaubend und gedankenverdrehend schön gemacht.

Advertisements