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Die Höhepunkte der Saison: Jeder Takt Wagner, den Daniel Barenboim dirigiert hat (Tristan & Isolde, Parsifal). Dido & Aeneas in der Inszenierung von Sasha Waltz, dirigiert von Attilo Cremonesi. Gefühl: so was kehrt nicht wieder. Schönheit, mit nie gesehenen Mitteln erreicht. Dann, mit einigem Abstand: Salome mit Nadja Michael, Reiner Goldberg, gutes Dirigat Philippe Jordan. Weiter hörenswert: René Jacobs (L’Orfeo, Marienvesper/Combattimento di Tancredi e Clorinda). Schade: Michael Gielen (Macbeth) dirigiert zu selten. Man würde gerne Wagner oder 20. Jahrhundert von ihm hören. Leider ist der Dauerdirigierer Dan Ettinger uninteressant (Figaro, Aida, etc.), Michael Boder zackiger, doch auch keine Offenbarung (Elektra). Massenets Manon mit Rolando Villazón und Anna Netrebko haben nur Frühstbucher oder ebayer gesehen, ich nicht. Da Rolando Villazón ab der dritten Vorstellung ausfiel, und Barenboim auch nur die Premiere dirigierte, war es auch kein Beinbruch. Zeitgleich dirigierte Abbado drei Mal Brahms, Bach und Weill in Berlin, also war’s doppelt kein Beinbruch. Richard Strauss fehlt es an der Staatsoper derzeit an den ganz großen Dirigenten, Mozart sogar an den auch nicht ganz so ganz großen.

Fazit: Der Inspirationsgraben zwischen Daniel Barenboim und den Repertoire-Dirigenten ist groß. Verlässt der Zauberer Barenboim, genervt von der Finanzierungsdebatte, dereinst Berlin, oder zumindest die Staatsoper (womöglich, um an die Philharmonie wechseln, falls Rattle einmal nicht mehr wollen sollte…), hoppelt die Staatsoper Berlin ziemlich flott in die zweite Reihe hinter München, Hamburg, Stuttgart zurück. Lichtblick: Gustavo Dudamel, der im Februar 2008 La Bohème dirigieren wird. Simon Rattle, der im April 2008 Debussys Pelléas und Mélisande leiten wird (Mal sehen, ob Magdalena Kozena dann nicht absagen wird). Philippe Jordan (macht Tannhäuser nächste Saison) dürfte sich entwickeln.

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