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Papes eindringlicher Boris und Barenboims engagierter Mussorgski bilden das Rückgrat dieser Aufführung. Es ist tatsächlich ein musikalisches Drama, keine Oper. René Papes Bassbariton ist eine menschliche Alternative zu Paata Burchuladzes schwärzestem (doch weniger durchfühltem) Bass-Schwarz. Papes Boris Godunow ist sinnvolles Porträt und berührendes Psychogramm. Einer mordet den Nachfolger, und wird im Strudel mitgezogen. Die kunstvolle Führung von René Papes Stimme fügt dem Rollenportät des Zaren nicht gehörte Nuancen hinzu. Das Schaffen von Ausdruck beim kontrollierten (gedämpften) Ausströmen der Stimme ist Papes eigenstes Gebiet. Sein Material ist sowieso über jeden Zweifel erhaben. Tscherniakovs Inszenierung ist plausibel, ergreifend, und fast ein großer Wurf. Tscherniakovs Boris scheint eher jelzinesk als putinesk. In der Melancholie der Todesahnung ist Papes Interpretation großartig. Das Datum der Erstfassung, 1869, erstaunt immer wieder. Wagner komponierte in diesen Jahren auch nicht materialbewusster oder scharfsichtiger. Barenboim verkettet die Impulse, überwölbt Details mit großen Schüben von innen heraus.

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