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Berliner Philharmoniker Ion Marin Martha Argerich Weill Sinfonie Nr. 2 Ravel Klavierkonzert Prokofjew Romeo und Julia

Konzertbericht Berliner Philharmoniker. Man ging hin, um Martha Argerich zu hören und Ion Marin zu überhören. Kurt Weills Zweite Sinfonie mag ohne Marin ein achtbare Sache zu sein, mit Marin war sie eine große Länge. Weder der Rhythmus rettete Weills Sinfonie, noch die unartikulierte Thematik, noch Marin. Der Dirigent drang zu den Philharmonikern nicht recht durch und schien damit einverstanden.
Ravels Klavierkonzert erhielt den Vorzug vor den angekündigten von Schostakowitsch und Prokofjew. Da der Konzertgänger nichts so sehr fürchtet wie eine Absage von Frau Argerich, wäre er auch zufrieden gewesen, wenn Frau Argerich statt die Klavierkonzerte von Schostakowitsch und Prokofjew zu spielen über die argentinische Nationalhymne improvisiert hätte. Martha Argerich vereint in ihrem Spiel Herzlichkeit und lyrische Sensibilität. Es kommt zu sarkastischer Heiterkeit. Ihr Anschlag ist einer der besten überhaupt, verbände man mit ihm nur nicht immer die Vorstellung einer welkenden Rose. Die klangliche Hingabe Martha Argerichs an den Geist der Noten ist ohne Zweifel außerordentlich. Doch ich wünschte, Martha Argerich würde ihren Ravel an den Hörnern packen anstatt ihm die Glatze zu streicheln. Die Interpretation rechtfertigte nicht ihren fast verschwörerischen Ruhm. Marin war hier, gegen seinen Willen kann man fast sagen, besser, da das Stück besser war.
Die lange zweite Konzerthälfte zog sich in Form der Romeo-und-Julia-Suite von Prokofjew hin, eines Stücks, das wenig Charme von der Ballettbühne in den Konzertsaal hinüberrettete und vier Mal so lang wie nötig war. Tschaikowsky handelt das Thema immerhin in zwanzig Minuten zur vollen Zufriedenheit des Publikums ab.

Kritik Martha Argerich: naja, entweder war es nicht so ohrenverdrehend oder ich hatte meine Ohren tatsächlich verdreht

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