Heute Kremer und Argerich, am folgenden Tag das Emerson String Quartet im Kammermusiksaal. Gidon Kremer war das Gegenbeispiel zu Anne-Sophie Mutter. Kremer, immer noch ein hagerer, schlaksiger Geiger mit schütterem Haar und Pullover, neigt zu grotesken Körperbewegungen, zu Wippen und Schräglegen des Oberkörpers, zu Ausfallschritten, zu Sprüngen, wo Anne-Sophie Mutter sich in heftiger Konzentation nur auf einem Raum bewegt, der mit zwei, drei Handspannen ausgemessen werden kann. Es war ein umwerfender Abend. Am Flügel Martha Argerich, die solo Schumann spielte, für meinen Geschmack zu verschlafen, zu mütterlich, zu kaminhaft. Er hat mehr Töne als Anne-Sophie Mutter. Er zeigt seine Souveränität. Was er an kaltem oder monumentalem Ausdruck hat, fließt in einen Vortrag ein, der alles hat: eminente Technik, hinreißendes Gefühl, schneidende Virtuosität, äußerste Musikalität. Anne-Sophie Mutter lässt die Hörer ab und an außen vor. Sie verfügt über kaltschnäuzige Souveränität, Kremer über werbende Souveränität, wenn auch über eine ähnlich einsame.

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