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Die Elektra enttäuschte. Die Leitung von Michael Boder hörte sich unidiomatisch, fantasielos und hart – kurz: wie der Motor eines zehnjährigen Opels – an. Es fehlte eine gewisse Spritzigkeit, eine Biegsamkeit, etwas von „Und Kinder wachsen auf mit tiefen Augen…“ Deborah Polaski ließ ihre Phonstärken in die gleiche Kerbe prasseln, wenn man das mal mit einem schiefen Bild anmerken darf. Polaksis leicht uninteressanter, zwischentonloser, unflexibler, tremolierender Sopran wirkte durch bleiernes und bierernstes Pathos. Man muss Hofmannsthals Antike nicht ernster nehmen, als es Strauss sowieso schon tat. Klytämnestra sang die gewohnt souveräne Mette Ejsing, Silvana Dussmann (Chrysothemis) artikulierte mit dem Ausdruck herzlicher Sorge (statt Anne Schwanewilms). Reiner Goldberg gelang ein nicht so kometenhaftes, in jede Ritze der Rolle schlüpfendes Porträt wie als Herodes in der Salome wenige Wochen zuvor. Dieter Dorn (hier Kritik der Elektra-Premiere 2016 lesen!) fügte dem eine Inszenierung hinzu, die alle Klischees einer das Individuelle zwischen ihren fetten Kiefern zerkrümelnden Antike bedient, aber keine erlöst: eine monströse Hinterhaxe baumelt am Fleischerhaken vom Bühnenhimmel, Mägde tummeln sich in Untermenschenmanier. Die vorherrschende Farbe ist Schiefergrau. Opernkritik Elektra Berlin Staatsoper: Richard Strauss‘ Härte stach nicht.

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