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Konzertbericht Christian Thielemann. Die Wiener Philharmoniker waren da. Es war erstaunlich langweilig. Es gibt Stunden, da kommt es einem vor, als spielten die Wiener Philharmoniker ab und an einen Tick Wärme-versessener als die Berliner. Nun sind die Wiener hier, und es gab den einen oder anderen Grund zu äußerst gepflegter Langeweile. Christian Thielemann dirigierte, und man könnte behaupten, es habe an ihm gelegen. Anton Bruckners achte Symphonie. Rundum eine Ohrenweide waren die Holzbläser, etwas schlenkernder, lieblich nuschelnder und klangnachforschender, mitunter auch sich bescheidener in das große Ganze einordnender als gemeinhin die Berliner Bläser (ausgenommen während Claudio Abbados Weill-Konzert vom 18. Mai 2007).
Doch Christian Thielemann dirigiert so unbegreiflich korrekt und penetrant penibel, so baumeisterlich, dass die Verzweiflung je länger desto großartiger blühte. Macht Christian Thielemann ein Piano, kommt die nächste Note mit 0,2% weniger Piano, und die übernächste mit 0,8% weniger Piano. Das Finale verlor unter Thielemann jede Hemmung und war peinlich lang. Gewöhnen muss man sich auch an das rein Optische seines Dirigierstils. Christian Thielemann, dessen Weggang von der Deutschen Oper Berlin nach wie vor eine Tragödie großen Ausmaßes ist (für Berlin, für die DOB, für mich), vollführt mit beiden Händen gewaltige Schaufelbewegungen. Er beugt sich vor und dirigiert, indem er das Allegro moderato der Achten Symphonie sozusagen leer schaufelt: hoch, runter, hoch, runter. Wenn er die Hände unten hat, denkt man, ein Bauarbeiter, wenn er die Hände oben hat, denkt man, ein Adorant. Es fehlte alles: Spannung, Länge, Rhythmus, belebte Heftigkeit. Um wie vieles intelligenter, vertrackter, ausufernder machte das Simon Rattle. Man wünscht Thielemann alles Gute.

Kritik Christian Thielemann: Ich komme mit dem Mann nicht klar

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