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Daniel Barenboim Bernd Eichinger René Pape Michelle DeYoung Hanno Müller-Brachmann Josef Schmeckenbecher

Opernkritik Parsifal Staatsoper Berlin. Parsifal – wie es so kommt ohne die angekündigten Plácido Domingo und Waltraud Meier. Was Daniel Barenboim hinlegt, ist fesselnd vom ersten Takt an. Wer im Rang sitzt, kann von oben zusehen, wie er auf seinem Hocker sitzt und schuftet und schwitzt. Jedes dynamische Gefälle, jede Aufrauung wirft frühere Parsifalerlebnisse über den Haufen, Barenboim häutet Wagners Parsifal, schafft Nachklang- und Ineinanderklangwunder. Bei Barenboim ist alles Atem, Spannung, Geste, die unterschiedlichen Formteile hängen zusammen in einem endlosen Ab- und Anschwingen, die Intensität der Aufmerksamkeit wird bis in das abphrasierende Pianissimo der Streicher getragen.

Herr, lass Gold regnen: Parsifal an der Staatsoper // Foto: Monika Rittershaus / staatsoper-berlin.de

Die Ausbrüche gelingen tumultuarisch, dicht, und aus einem herausragenden Gefühl für Gliederung und Form heraus entwickelt. Kleiner Kommentar: daneben wirken die von Simon Rattle geleiteten Konzerte der Berliner Philharmoniker desöfteren unsteter. Rattle trifft für mitreißende zwanzig Minuten den Nerv der Musik, schafft umwerfende Sätze (z. Bsp. Anton Bruckner Vierte Symphonie, mittlere Sätze, Beethoven Fünfte Symphonie, Finale) aber nicht umwerfende Symphonien. Barenboims Emphase hält eine ganze Oper durch. Beim Schlussapplaus holt er das ganze Orchester auf die Bühne, neben sich platziert er eine Flötistin oder Bratscherin. Der Dresdener René Pape (Gurnemanz) ist eine Wucht und ein Naturereignis. Sein Bass besitzt Form, verschwenderische Schönheit des Klanges und eine die verschiedenen Partikel zusammenschweißendes Strömen, wie es nur wenigen gegeben ist. Der Karfreitagszauber ist beängstigend schön, um gerade noch nicht zu schön zu sein, um noch wahr zu sein. Hier wundert sich die Musik über sich selbst. Michelle DeYoung muss mit der Kundry und Barenboims Fortissimo kämpfen, behält jedoch bei ersterer die Oberhand. Opernkritik (auch lesen): ein orchestraler Pazifik voller Herrlichkeiten. Schmeckenbecher war gewiss nicht ein perfekter Klingsor, doch sein zerfurchter, höhnischer, trockener Bariton schichtete den Klingsor zu beeindruckender Rollengröße auf. Also doch ein perfekter Klingsor.

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